„Das Gehirn der Autobahn im Südwesten“

Die Verkehrsleitzentrale in Stuttgart ist das digitale Gehirn der Autobahn.
Sensoren, Kameras und weitere Messanlagen liefern in Echtzeit Daten von allen Autobahnen im Südwesten. Wie viele Autos sind unterwegs? Sind es Lastwagen oder PKW? Wie schnell sind diese unterwegs? Und natürlich Daten zu der wichtigsten Frage überhaupt: Wo droht Stau auf der Autobahn?

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„Das Gehirn der Autobahn im Südwesten“

Auf und neben der Autobahn gibt es mehr Technik als die meisten vermuten. Unzählige Mess- und Steuerungssysteme sorgen dafür, dass der Verkehr im Fluss bleibt. Dr. Marion Mayer-Kreitz und ihr Team haben in der Verkehrsleitzentrale alles im Blick.

Frau Dr. Marion Mayer-Kreitz: Wie „schlau“ ist unsere Autobahn?

Dr. Marion Mayer-Kreitz: Wir wissen ziemlich genau, was auf unseren Autobahnen gerade los ist. Wir haben Sensoren, Kameras und Messgeräte, die uns in Echtzeit melden, was gerade passiert. Wir wissen wie viele Fahrzeuges gerade unterwegs sind, wie schnell diese fahren und wir haben natürlich im Blick, wo es gerade eng wird und wo ein Stau droht.  Alle diese Informationen und viele weitere laufen in der Verkehrsleitzentrale in Stuttgart zusammen.

Was genau ist die Verkehrsleitzentrale?

Mayer-Kreitz: Das ist sozusagen das Gehirn der Autobahn Südwest. Alle Daten von rund 150 Verkehrs-Messstationen sowie mehr als 100 Webcams und Kameras kommen dort an und werden von Hochleistungsrechnern verarbeitet. Außerdem werden derzeit 15 Tunnel an Autobahnen hier rund um die Uhr überwacht.

Im Kontrollraum sitzen Tag und Nacht und an 365 Tagen im Jahr Operatoren und Operatorinnen, die auf großen Bildschirmen den Verkehr und alle Anlagen zur Verkehrssteuerung im Blick haben. Mithilfe der Technik wird hier die Verkehrssituation im Auge behalten und mit den Anlagen Einfluss auf den Verkehr genommen.

Unsere Kollegen vom FIT Ludwigsburg sorgen dafür, dass die Daten aus den Anlagen verlässlich ihren Weg in die Leitzentrale finden und kümmern sich dabei um rund 2000 Kilometer Kabel. Sozusagen die Datenautobahn neben der Autobahn.

Welche Rolle spielt die Verkehrsleitzentrale für die normalen Autofahrerinnen und Autofahrer?

Mayer-Kreitz: Eine sehr große! Unser oberstes Ziel ist es, den Verkehr im Fluss zu halten, damit Autofahrerinnen und Autofahrer möglichst störungsfrei ans Ziel kommen. Wir arbeiten daran in unterschiedlichen Bereichen.
Zuerst geht es mal darum, den Verkehr sinnvoll zu verteilen. Netzbeeinflussung nennen wir das.
Ganz einfach gesagt: Wenn wir einen Autobahnabschnitt mit 2 Fahrstreifen pro Richtung haben und wir wissen, da wollen jetzt aber 10.000 Fahrzeuge pro Stunde drüber, dann werden wir da vermutlich Stau bekommen. Oder wir wissen, dass auf dem Streckenabschnitt eine Baustelle ist.

Dann können wir auf unseren Anzeigetafeln vor dem Stau warnen und bieten Umleitungen an, die dann schneller sind. Da wir exakt wissen, was wo los ist, funktioniert das sehr genau und zuverlässig. Das können unsere intelligenten Systeme übrigens selbstständig. Die Operatoren haben es aber trotzdem permanent im Auge.

 

Welche intelligenten Anlagen gibt es noch an der Autobahn?

Mayer-Kreitz: Ein weiterer wichtiger Baustein unserer täglichen Arbeit ist die sogenannte Streckenbeeinflussung. Dabei steht die Sicherheit im Fokus. Auf den Autobahnen im Südwesten haben wir auf der A 8 und der A 81 Streckenbeeinflussungsanlagen.

Diese Anlagen warnen vor Staus, Baustellen und Gefahren durch die Wetterbedingungen, wie Nässe, Glätte oder Nebel.  Melden die Messsysteme beispielsweise aufkommenden Nebel beim Albaufstieg der A 8, schalten sich automatisch die digitalen Warnschilder an und die Höchstgeschwindigkeit wird auf 80 km/h gesenkt. Die Folgen sind deutlich weniger Unfälle und Staus.

Mit den Anlagen können wir auch Baustellen auf der Autobahn absichern, indem z.B. angezeigt wird, dass ein Fahrstreifen nicht befahren werden darf. Und an staugefährdeten Stellen, z.B. vor Baustellen, sind häufig sogenannte Stauwarnanlagen installiert.

Wenn viel Verkehr ist und Stau droht, können wir mit den Streckenbeeinflussungsanlagen den Verkehr steuern, indem wir die zulässige Höchstgeschwindigkeit begrenzen. Denn wenn alle etwas langsamer fahren, kann die Autobahn mehr Fahrzeuge pro Stunde bewältigen.Die Kapazität der Straße wird besser ausgenutzt. Ein weiteres gutes Beispiel für intelligente Verkehrssteuerung sind temporäre Seitenstreifenfreigaben.

Was ist eine temporäre Seitenstreifenfreigaben?

Mayer-Kreitz: Das haben sie bestimmt schon mal an der A 8 oder der A 81 gesehen. Das bedeutet, dass wir mit unserer Anlage bei hohem Verkehrsaufkommen den Seitenstreifen als zusätzlichen Fahrstreifen freigeben und damit für Entspannung sorgen.

Das machen wir natürlich nicht nach Lust und Laune. Zuerst meldet unser intelligentes System dem Operator in der Leitzentrale, dass ein Stau droht. Der prüft dann mit dem an der Strecke installierten Videosystem, ob alle Nothaltebuchten frei sind und sich keine Personen oder Hindernisse auf dem Seitenstreifen befinden. Wenn alle Sicherheitskriterien erfüllt sind, kann anschließend manuell freigegeben werden. Wenn die Lage sich entspannt, wird der Seitenstreifen wieder zum Seitenstreifen.

 

Was passiert mit den Zahlen und Daten, die ermittelt werden?

Mayer-Kreitz: Alle unsere Anlagen liefern uns verlässliche Daten und ein gutes Gesamtbild über den Autobahnverkehr im Südwesten

Neben der täglichen Verkehrssteuerung sind unsere Daten eine wichtige Grundlage für ganz viele Entscheidungen.
Wir können beispielsweise vorhersagen, was passiert, wenn an einer bestimmten Stelle gebaut wird. Das benötigen wir beim Baustellenmanagement. Unsere Zahlen sind auch die Grundlage für viele wichtige Entscheidungen, z.B. für Straßenplanungen oder Lärmschutzmaßnahmen
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Klingt nach einem wichtigen und abwechslungsreichen Job?

Mayer-Kreitz: Absolut. Das war natürlich nur ein Bruchteil von dem, was unsere Kolleginnen und Kollegen jeden Tag so machen. Wir überwachen Tunnel, informieren Auto- und LKW-Fahrer über die Verkehrssituation und haben noch viele weitere Informationsangebote in der Planung. Unsere Daten teilen wir mit den Kollegen und Kolleginnen in den benachbarten Niederlassungen, die Verkehrsströme hören ja nicht an der Grenze des Gebiets der NL Südwest auf.

Wir freuen uns übrigens auch immer über Leute, die Lust haben, bei uns mitzuarbeiten und haben immer wieder Jobs im Bereich des Verkehrsmanagements zu vergeben.

Abschlussfrage: Wann ist statistisch der beste Zeitpunkt, um über das Kreuz Stuttgart zu fahren?

Mayer-Kreitz: Bei fast 150.000 Fahrzeugen am Tag eine berechtigte Frage:  Den wenigsten Verkehr haben Sie unter der Woche nachts zwischen 1 und 4 Uhr. Wenn sie nicht mitten in der Nacht aufstehen wollen, kann ich ihnen den 24. Dezember empfehlen. Aber im Ernst, viel Verkehr haben wir hier vor allem ab 8 Uhr, besonders viel am Nachmittag gegen 18 Uhr. Danach werden es dann Stück für Stück weniger Fahrzeuge.

Mehr Infos zur Verkehrsleitzentrale finden sie hier

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