22 Autobahnmeistereien bereit für den Einsatz im Winterdienst

Die Mannschaft hat den Auftrag, auch bei schwierigen Wetterverhältnissen die Befahrbarkeit von rund 1550 Kilometern Autobahnen und rund 800 Kilometern Rampen zwischen Perl und Wattenheim, Saarbrücken und Prüm, Darmstadt und Reiskirchen, Heiligenroth und Schweich sowie zwischen Gelnhausen und Mendig zu gewährleisten.

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„Wir sind bereit, der Winter kann kommen“, sagt Ulrich Neuroth, Leiter der Niederlassung West der Autobahn GmbH mit Sitz in Montabaur.„Wir haben den ersten Sommer in der Autobahn GmbH des Bundes genutzt, uns organisatorisch und logistisch auf die neuen, überregionalen Herausforderungen einzurichten und Einsatzbereitschaft für insgesamt 22 Autobahnmeistereien mit ihren Winterdienstfahrzeugen herzustellen.“

Die Mannschaft hat den Auftrag, auch bei schwierigen Wetterverhältnissen die Befahrbarkeit von rund 1550 Kilometern Autobahnen und rund 800 Kilometern Rampen zwischen Perl und Wattenheim, Saarbrücken und Prüm, Darmstadt und Reiskirchen, Heiligenroth und Schweich sowie zwischen Gelnhausen und Mendig zu gewährleisten.

„Winterdienst erwies sich in den beiden letzten Jahrzehnten als eine nicht berechenbare Herausforderung. Sehr milde und außergewöhnlich strenge Winter wechseln sich in nicht vorhersehbaren Zyklen ab. Da wird bereits die Vorausschau zur Beschaffung angemessener Streusalzmengen ein Lotteriespiel“, erläutert Neuroth die komplexen Rahmenbedingungen. Allein im Saarland habe es beim Streusalzverbrauch Schwankungen zwischen 5.400 Tonnen im Winter 2006/07 und 36.000 Tonnen im Winter 2009/10 gegeben.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Niederlassung West der Autobahn GmbH für einen überdurchschnittlichen Winter gerüstet. An 54 Standorten in der Region -in Meistereien und Stützpunkten- stehen zu Beginn des Winters rund 60.000 Tonnen Streusalz zur Verfügung. Etwaige Mehrbedarfe können durch Nachbestellungen gedeckt werden.

Die unterschiedlichen Topografien der Region West fordern den Winterdienst mit wechselndem Anspruch. Mittelgebirgsartige Höhenlagen in Hunsrück, Eifel und Taunus zum einen, flache Streckenabschnitte in den Niederungen von Rhein, Mosel und Saar zum anderen erforderten unterschiedliche Einsatzstrategien bei Prävention und Räumung.

Hier baut die Niederlassung West der Autobahn GmbH allerdings auf ihren routinierten Personalstamm, der von den Ländern übernommen werden konnte. Daher ist Neuroth sicher, dass sein Team „das wuppt!“

Zu Beginn des Winters mehren sich erfahrungsgemäß Anfragen von Verkehrsteilnehmer/innen und Medien, die sich nach Art und Umfang geleisteten Winterdienstes erkundigen oder über scheinbar mangelhaft geräumte und gestreute Fahrbahnen klagen.

Dazu ein wenig Hintergrundinformation: die verfügbaren Einsatzfahrzeuge können nicht überall gleichzeitig sein. Bei Räumeinsätzen auf Autobahnen soll rund um die Uhr sichergestellt werden, dass die Umlaufzeiten für die Bearbeitung der Hauptfahrbahnen einschließlich der Rampen, Parallelfahrbahnen und Anschlussstellen sowie der Aus- und Zufahrten von Rastplätzen maximal 3 Stunden betragen. Hierbei haben die durchgehenden Fahrbahnen den Vorrang. Für reine Streueinsätze ohne Schneeräumung gelten kürzere Zeiten. Hierbei soll die Umlaufzeit 2 Stunden nicht überschreiten.

Unter Berücksichtigung der Umlauf- und Rüstzeiten kann insbesondere bei anhaltenden, massiven Schneefällen oder bei Glatteisbildung nicht gewährleistet werden, dass das vollständige Streckennetz ohne Beeinträchtigung befahrbar bleibt. An die Verkehrsteilnehmer/innen richtet die Niederlassung West der Autobahn GmbH daher die dringende Bitte, in der Winterzeit mit besonderer Vor- und Umsicht zu fahren und geeignete Bereifung aufzuziehen.

Antworten auf weiter gehende, vielfach gleichlautende Fragen der Verkehrsteilnehmer/innen und der Medien finden Sie weiter unten.

Hintergrund

In der Betreuung des deutschen Autobahnnetzes hat sich zum Jahresbeginn 2021 die Organisation geändert. Bis Ende 2020 oblagen Planung, Bau und Betrieb aller Autobahnen und Bundesstraßen im Rahmen der grundgesetzlichen Auftragsverwaltung allein den 16 Bundesländern. Seit dem 1. Januar 2021 hat die neue Autobahn GmbH des Bundes diese Aufgaben für das 13.000 Kilometer lange Netz der Autobahnen in Deutschland übernommen.

Statt 16 Straßenbauverwaltungen kümmern sich nun 10 Niederlassungen Ländergrenzen übergreifend um das Streckennetz. Die Niederlassung West mit Sitz in Montabaur betreut mit rund 1550 Kilometern Fahrbahnen das nominal längste Autobahnnetz aller Niederlassungen. Es umfasst das Saarland, Rheinland-Pfalz und Süd- und Teile von Mittelhessen.

Anfragen

Bürgeranfragen zu konkreten Problemen des Winterdienstes auf einzelnen Streckenabschnitten beantworten die Autobahnmeistereien des jeweiligen Bezirks. Die Kontaktdaten finden Sie hier: https://www.autobahn.de/west/kontakt/autobahnmeistereien

Medienanfragen beantworten Kolleg/innen der Öffentlichkeitsarbeit in den Regionen. Deren Kontaktdaten finden Sie hier: https://www.autobahn.de/west/presse.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Klaus Kosok (Technischer Regierungsdirektor)

Stabsstelle Kommunikation
Die Autobahn GmbH des Bundes
Niederlassung West


T: +49 6821 100 888
presse.west(at)autobahn[dot]de


FAQ "Winterdienst auf Autobahnen - heiße Diskussionen in kalten Wintern"

Winterdienst auf Autobahnen ist alle Jahre wieder ein kontrovers diskutiertes Thema. Die einen kritisieren glatte Straßen und unzureichende Anstrengungen der Autobahnmeistereien, die anderen halten den Einsatz von Streusalz für übertrieben und umweltschädlich.

Der Winterdienst unterliegt rechtlichen Vorgaben. Die Einsatzkräfte handeln im vorgegebenen Rahmen und nach bestem Wissen. Der nachfolgende Frage-Antwort-Katalog erläutert die Hintergründe.

Der Winterdienst ist im § 3 Abs. 3 Bundesfernstraßengesetz (FStrG) geregelt. Dort heißt es: „Die Träger der Straßenbaulast sollen nach besten Kräften … die Bundesfernstraßen bei Schnee- und Eisglätte räumen und streuen.“

„Nach besten Kräften“ handeln die Winterdienstkräfte, wenn sie einerseits alles tun, was im Rahmen angemessener Ressourcen zumutbar ist und andererseits all das, was unter Berücksichtigung des jeweiligen Wetterereignisses auch naturgegeben möglich und realistisch ist.

Die Autobahnen sind mit Glatteismeldeanlagen (GMA) ausgestattet. Sie ermöglichen kontinuierlich Datentransfer über Temperaturwerte der Fahrbahn, der Luft und des Taupunkts sowie Informationen über Fahrbahnnässen oder Schneebelag an den deutschen Wetterdienst in Offenbach. Dieser stellt im Gegenzug täglich Wettermeldungen und Prognosen zur Verfügung, die auch allen Autobahnmeistereien zugänglich sind. Mit diesen Informationen planen die Meistereien ihre täglichen Einsätze wie Anzahl der Einsatzfahrzeuge und die Einsatzzeiten. Darüber geben regelmäßige Kontrollfahrten Aufschluss über den Zustand des Streckennetzes und die Notwendigkeit der Einsätze.

Die Aufgabe des Winterdienstes ist es, je nach Bedeutung der Straße eine ausreichende Verkehrssicherheit und angemessene Leistungsfähigkeit zu gewährleisten, bei Bundesautobahnen in der Regel täglich über 24 Stunden.

Den Idealzustand komplett schnee- und eisfreier Straßen bei jeder Wetterlage kann es in der Praxis nicht geben. Die Anforderung der „Befahrbarkeit“ schließt ein, dass mit Behinderungen durch Schneereste oder je nach Einsatzdauer des Winterdienstes stellenweise auch mit geschlossenen Schneedecken gerechnet werden muss, die notfalls mit Schneeketten befahren werden können. Auch Reif- oder Eisglätte können stellenweise nicht ausgeschlossen werden.

Eine Autobahnmeisterei bedient im Durchschnitt rund 70 Kilometer Streckenlänge. Dafür stehen je nach Streckenlängen im Bezirk, Fahrbahnbreite und Anschlussstellendichte zwischen 5 und 12 Fahrzeuge zur Verfügung. In Meistereien, in denen die personelle Ausstattung nicht ausreicht, helfen uns externe Unternehmen. In strengen Wintern, in denen rund um die Uhr gestreut und geräumt wird, sind alle verfügbaren Straßenwärter durch den Winterdienst gebunden.

Die Einsatzfahrzeuge laufen nach Bedarf auch in der Nacht und stets deutlich vor dem einsetzenden Berufsverkehr. Sie können aber nicht überall gleichzeitig sein. Sie benötigen auf ihrem Streckenabschnitt für einen Streu- und Räumvorgang rund zwei Stunden. Dann sind die Fahrzeuge leer und kehren zum Stützpunkt zurück, um erneut Salz oder Sole zu laden. Ein voller Streu- und Räumeinsatz einschließlich Rüst- und Ladezeiten dauert demnach circa drei Stunden. Bei starken Schneefällen ist also nicht auszuschließen, dass eine bereits geräumte Strecke beim einsetzenden Berufsverkehr wieder eingeschneit wurde, bevor der nächste Umlauf beginnt.

Bei starkem und langanhaltendem Schneefall konzentrieren sich die Fahrzeuge zur Wahrung der Befahrbarkeit bisweilen auch notgedrungen auf eine Fahrspur in jede Richtung.

Starke Schneeverwehungen, Lawinen oder Eisregen setzen dem Winterdienst schließlich objektiv unüberwindliche Grenzen.

Streu- und Räumeinsätze beschränken sich nicht nur auf die Hauptfahrbahn. Bedient werden auch die Rampen, Parallelfahrbahnen von Autobahnknoten und Anschlussstellen sowie die Aus- und Zufahrten der Rastplätze.

Probleme bei der Einhaltung von Sollzeiten gibt es nicht nur bei extremen Wetterverhältnissen, dem unerwarteten Ausfall von Personal oder technischen Defekten an den stark beanspruchten Fahrzeugen und Gerätschaften. In sehr vielen Fällen werden die Einsatzfahrzeuge von liegengebliebenen oder auf Steigungsstrecken querstehenden Fahrzeugen behindert, deren Bereifung für winterliche Verhältnisse ungeeignet ist. Wo Verkehrsteilnehmer nicht vorankommen, verlieren auch Streu- und Räumfahrzeuge Zeit.

Art und Umfang der Streuung hängen von die Witterungsbedingungen ab.  

Die Feuchtsalzstreuung (FS 30) ist für Temperaturen von bis zu –21°C geeignet. Dabei kommt ein Gemisch von 70 % Trockensalz (Natrium-Chlorid mit einem Gehalt von mindestens 96 % tauwirksamen Bestandteilen) und 30 % Natrium-Chlorid-Sole (20%-Lösung) zum Einsatz. Wesentliche Vorteile der Feuchtsalzstreuung zur Trockensalzstreuung:

  • Verringerung der Wehverluste
  • Gleichmäßiges und genaues Streubild
  • Reduzierung der auszubringenden Menge
  • Verbesserung der Haftfähigkeit des Salzes auf der Fahrbahn
  • Wesentliche Reduzierung des Streusalzverbrauches

Die Feuchtsalzstreuung (FS 100) dient zur Prävention und wird bei geringem Bodenfrost eingesetzt. Die Fahrzeuge sprühen eine Sole aus NaCl auf die Fahrbahn. Diese Sole wird in eigens errichteten Mischanlagen aus Trockensalz und Wasser selbst hergestellt (Details siehe https://www.via-akademie.de/seminare/winterdienst-fuer-einsatzleitende/methode-feuchtsalz-30-feuchtsalz-100/). Die Vorteile gegenüber der Feuchtsalzstreuung:

  • Geringerer Salzverbrauch
  • Durch die längere Liegezeit weniger Einsätze
  • Durch die hohe Reichweite weniger Personal- und Fahrzeugkosten
  • Steigerung der Verkehrssicherheit
  • Schutz der Umwelt durch Einsparung von Salz, Diesel und CO2