Autobahn Westfalen: Innovativ den Herausforderungen begegnen

Nach knapp einem Jahr Autobahn Westfalen blickt Elfriede Sauerwein-Braksiek als Direktorin der Niederlassung zufrieden auf den Start zurück.

Die Lennetalbrücke von unten.

Dortmund/Witten. Vor knapp einem Jahr ist die Autobahn Westfalen an sechs Standorten an den Start gegangen, inzwischen 1348 Mitarbeiter kümmern sich seitdem um Planung, Bau und Unterhaltung der 1385 Kilometer Autobahnen im Niederlassungsgebiet Westfalen. Elfriede Sauerwein-Braksiek blickt als Direktorin der Niederlassung zufrieden auf das erste Jahr zurück.

 

Frage: Was waren die besonderen Herausforderungen in diesem ersten Jahr?

Elfriede Sauerwein-Braksiek: Wir mussten uns gleich mehreren Herausforderungen stellen: Da ist zum einen der Start in eine neue Organisation, bei dem es sicher an der einen oder anderen Stelle geruckelt hat. Dieser Neuanfang wurde durch Corona nicht leichter, weil zum Beispiel neue Mitarbeiter mit ihrem Team anfangs nur digitalen Kontakt hatten. Das ist vor allem menschlich eine schwierige Situation, die aber alle gut gemeistert haben. Da bin ich sehr stolz auf das Team, denn es hat unsere eigentliche Aufgabe, den Betrieb, Erhalt und Ausbau unserer Infrastruktur, in diesem Jahr gut vorangetrieben.

Gerade die Erhaltung der Strecken stellt uns vor große Herausforderungen. Hier gibt es viel zu tun, denn vor allem unsere Brücken kommen nun in vielen Bereichen an das Ende der Nutzungsdauer. Mit dramatischen Auswirkungen, wie man jetzt an der Sperrung der A45 sieht. Dort mussten wir wegen schwerer Schäden an einer Talbrücke eine Vollsperrung anordnen. Dies ist die bislang gravierendste Auswirkung des stetig steigenden Güterverkehrs und der zunehmenden Lasten, die transportiert werden. Nun geht es darum, den Pkw-Verkehr so schnell wie möglich wieder über eine not-verstärkte Brücke fließen zu lassen und für den Lkw-Verkehr ohne große Genehmigungshindernisse einen Neubau zu errichten.

Das Thema Brücken ist für Ihre Niederlassung besonders relevant?

Allein an der A45, die wegen ihrer vielen Brücken auch die Königin der Autobahnen genannt wird, müssen wir mehr als 60 Großbrücken zwischen Dortmund und dem Gambacher Kreuz ersetzen. Einen ersten Meilenstein haben wir dabei im März geschafft: Mit dem Verschub der knapp 1000 Meter langen Lennetalbrücke in Hagen haben wir bewiesen, dass sich die baulichen Herausforderungen durch den Einsatz innovativer Technik meistern lassen. Gerade die einteiligen Brücken an dieser Strecke stellen uns vor eine solche Herausforderung, weil wir beim Ersatz der Brücken den Verkehr weiter fließen lassen müssen. Mit der Talbrücke Rinsdorf gehen wir noch einen Schritt weiter und verschieben die Brücke samt ihrer Pfeiler. Auch hier haben wir in diesem Jahr einen großen Schritt getan: Seit Mitte Dezember läuft der Verkehr über die erste neu gebaute Teilbrücke.

Gleichzeitig gehen wir viele weitere Projekte an. Im November gab es den ersten Spatenstich für vier Brücken im hessischen Abschnitt der A45. Dort investieren wir 214 Millionen. Im Dezember ist der Neubau der Liedbachtalbrücke am Kreuz Dortmund/Unna begonnen worden.

Sind Innovationen auch in anderen Bereichen ein Thema?

Innovationen sind nicht nur beim Bauen gefragt, auch bei der Zusammenarbeit mit der Bauindustrie gehen wir neue Wege. Der Ausbau der A1 nördlich von Osnabrück zwischen Lohne/Dinklage und Bramsche hat im Juni 2021 begonnen. 29,5 Kilometer werden in den nächsten vier Jahren von vier auf sechs Streifen ausgebaut. Der Auftrag wird von einer Bietergemeinschaft ausgeführt. Die Besonderheit des Projektes liegt im „Funktionsbauvertrag“, der neben dem Ausbau der Strecke auch die Erhaltung über einen Zeitraum von 30 Jahren umfasst. Der Betrieb wird weiterhin durch die Straßenwärterinnen und Straßenwärter der Autobahn Westfalen durchgeführt. Der gesamte Auftrag beläuft sich auf rund 600 Millionen Euro.

Ein weiteres Beispiel sind so genannte Funktionale Ausschreibungen, bei denen wir beim Auftragnehmer quasi ein Stück Brücke bestellen. Von der Planung über die Genehmigung und den Bau vergeben wir den Auftrag im Ganzen. Wir erhoffen uns damit gerade bei kleineren Bauwerken eine Beschleunigung.

Innovativ arbeiten wir zudem beim technischen Erhalt unserer Bauwerke. Vor allem, um die Einschränkungen für den Verkehr so gering wie möglich zu halten. So haben wir an der A45 den Tausch einer Übergangskonstruktion, die die Ausdehnung einer Brücke ausgleicht, in nur 50 Stunden absolviert. In der Regel braucht der Aus- und Wiedereinbau einer solchen Konstruktion bis zu drei Monaten, in denen dann Fahrspuren verengt werden. Durch den Einsatz einer innovativen Bauweise haben wir den Tausch an einem Wochenende unter Vollsperrung gemeistert.

Neben der Erhaltung steht an vielen Strecken auch ein Ausbau von vier auf sechs Spuren an. Wo liegen hier die Herausforderungen?

Zum Beispiel mit Blick auf die A43 ist die Herausforderung das Bauen mitten in einem Ballungsraum. Wir haben an der Autobahn viele Anlieger, kreuzen andere Autobahnen und müssen Bahnlinien und Wasserstraßen queren. Hier ist viel Abstimmung gefragt, auch weil wir immer alle Spuren für den Verkehr offen halten wollen. Allein das Kreuz Herne umzubauen, ist ein Mammutprojekt. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet der Ausbau der Strecken in vielen Bereichen aber auch, dass sich der Lärmschutz für sie verbessert. Mit der neuen Richtlinie, nach der wir Ausbauprojekte planen, haben mehr Menschen Anspruch auf Lärmschutz.

Gerade beim Ausbau in besiedelten Bereichen ist es uns wichtig, die Betroffenen früh zu beteiligen. Wir sind auch in diesem Pandemie-Jahr zu den Menschen gekommen, wenn es irgendwie möglich war. Dort, wo die Beschränkungen ein direktes Gespräch unmöglich machen, sind wir digital unterwegs. Zum Beispiel beim Ausbau der B224 zur A52 mit einem Projektatlas, bei dem jeder auf unserer Webseite seine Betroffenheit auf unterschiedlichen Karten einsehen und dort dann auch direkt Fragen an das Projektteam stellen kann.

Gibt es auch neue Aufgaben, die Sie seit Januar 2021 übernommen haben?

Der Neustart hat für uns direkt mit einer neuen Aufgabe begonnen. Seit 1. Januar ist die Autobahn Westfalen auch Straßenverkehrsbehörde und muss damit zum Beispiel Beschilderungen oder Sperrungen anordnen. In der Regel geht es dabei um Baustellen, den Anfang haben wir aber mit einem Lkw-Fahrverbot auf Autobahnen in den Regierungsbezirken Münster, Detmold und Arnsberg (Westfalen) gemacht. Der ungewöhnlich starke Wintereinbruch hat uns zu diesem Schritt gezwungen, da liegengebliebene Lastwagen das Durchkommen unserer Streu- und Räumfahrzeuge behinderten. Als zweite Aufgabe hat die Autobahn die Genehmigung der Schwertransporte übernommen. Hier werden wir am Ende des Jahres in Westfalen allein 100.000 Anträge bearbeitet haben – eine Mammutaufgabe und mit Blick auf unsere Brücken eine Entwicklung, die Sorgen bereiten kann. Die Belastungen für die Bauwerke aber auch für die Strecken nehmen stetig zu. Durch den gestiegenen Lkw-Verkehr und auch die Zahl der Schwertransporte.

Was steht für die Niederlassung Westfalen im Jahr 2022 an?

Hoffentlich weniger Belastungen durch Corona. Das wünsche ich mir vor allem für die Mitarbeiter, die zum Beispiel auf den Autobahnmeistereien über Monate in festen Teams arbeiten mussten. Da war ein Tausch der Schicht nicht mehr möglich, das belastet schon sehr. Mit Blick auf unsere Projekte hoffe ich, dass Ideen, wie Planung und Genehmigung beschleunigt werden können, schnell umgesetzt werden. Unsere Infrastruktur braucht einen Booster. Und auch für uns Ingenieure ist es wichtig, dass wir sehen, wie aus Plänen Realität wird. Dann macht die Arbeit auch angesichts großer Herausforderungen Spaß.

Beim Thema Bau wollen wir uns noch mehr um innovative und damit schnelle Verfahren kümmern. Pilotprojekte, die wir gemeinsam mit der Bauindustrie angehen, sind hier zum Beispiel an der A1 geplant. Gerade kleinere Brücken wollen wir künftig so bauen, dass durch den Einsatz von Fertigteilen mit nur wenigen Tagen Sperrzeit eine Brücke ersetzt werden kann.

Unter dem Titel „Grüne Autobahn“ investieren wir auch 2022 in Projekte, die sich um den ökologischen Ausgleich unserer Baumaßnahmen kümmern, um die Stärkung der E-Mobilität und auch um die ressourcenschonende Unterhaltung der Autobahnen. So planen wir eine „Grüne Meisterei“, die unter anderem mit der Nutzung von Photovoltaik auch für die eigenen Fahrzeuge einen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll.

 

Fotos zu den im Interview genannten Projekten finden Sie zum Herunterladen hier: https://autobahn.qbank.se/mb/?h=294cc7de06a027476366580275013092

 

Kontakt: Susanne Schlenga, Telefon: 015201594027, susanne.schlenga@autobahn.de