THM-Studierende kooperieren mit der Autobahn Westfalen

Es wird gehämmert, gemessen und geprüft. Die Studierenden des Bauingenieur-Masterstudiengangs der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) schauen sich heute zum ersten Mal das Objekt an, das sie das ganze Sommersemester lang über begleiten wird: die Hangbrücke Haiger an der A45.

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Haiger. In Kooperation mit der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH sollen die klugen Köpfe im Wahlmodul Brückenbau die Vorplanung für den Brücken-Ersatzneubau übernehmen. Und zwar nicht nur in der Theorie, sondern so real wie möglich.

In diesem Semester untersuchen die Studierenden in Kleingruppen unterschiedliche Konstruktions-Varianten für den Ersatzneubau. Sie sollen eine Vorplanung erstellen - inklusive Zeichnungen, Statik und Kostenschätzung. Die Herausforderung: Im Bereich der Hangbrücke wird die Autobahn sechsspurig ausgebaut. Dies müssen die angehenden Bau-Profis bei ihren Planungen berücksichtigen.

Heute steht die Bestandsprüfung auf dem Programm – ein Schritt, der aus Sicht von Prof. Dr.-Ing. Bertram Kühn, der das Wahlmodul mit Praxisbezug leitet, nur draußen am Objekt wirklich Sinn macht. Zum ersten Besuch vor Ort haben die 15 jungen Männer und Frauen einiges im Gepäck: Ferroscan (Ortung und Bestimmung der Bewehrung), Endoskop, Bohrmehlentnahmegerät oder auch den so genannten Schmidt-Hammer – ein Werkzeug, mit dem die Druckfestigkeit von Beton geprüft werden kann. Zum ersten Mal wenden die jungen Männer und Frauen all diese Geräte, deren Funktionsweisen sie nur theoretisch kennen, in der Praxis an. Da kommt es schon mal vor, dass man Wichtiges übersieht. Beispielsweise, dass man für manche Geräte Strom vor Ort organisieren muss. Das haben seine Schützlinge heute nicht bedacht. Kühn lässt sie machen – auf solche Denk-Fehler weist er sie zunächst nicht hin. „Es ist wichtig, dass sie auch negative Erfahrungen machen. Die Fehler machen sie nämlich dann nur einmal“, schmunzelt er. Der Professor für Stahl-, Verbund- und Ingenieurbau sieht sich daher eher als Leitplanke und nicht als Lenker.

„Die ganze Theorie bringt ja nix, wenn ich nicht weiß, wie es draußen wirklich läuft“

Prof. Dr.-Ing. Bertram Kühn ist froh, die Autobahn Westfalen als Kooperationspartner mit im Boot zu haben. „Ich bin der Auffassung, dass gerade im Baubereich jedes noch so tiefe theoretische Wissen ohne Praxisbezug völlig wertlos ist“, so der Professor. „Die Gelegenheit, das Theoriewissen anzuwenden, ist wunderbar“. Auch die Studierenden freuen sich über diese Chance. „Die ganze Theorie bringt ja nix, wenn ich nicht weiß, wie es draußen wirklich läuft“, sagt Alisa Lux. Sie und ihre Kommilitonen machen sich deshalb engagiert und hoch motiviert ans Werk. „Das ist endlich mal etwas anderes als die Standard Vorlesung“, so der Tenor. Und auch die Autobahn Westfalen profitiert von solch einer Kooperation: „Als Arbeitgeber ist es uns wichtig, dass die Nachwuchs-Ingenieure über die Projektarbeit die Autobahn GmbH als spannenden und attraktiven Arbeitgeber kennenlernen. Und wenn sie dann auch noch erste Praxiserfahrungen mitbringen, freuen wir uns natürlich doppelt“, sagt Samuel Freund (Geschäftsbereichsleiter Planung bei der Autobahn Westfalen/Außenstelle Dillenburg), der das Projekt begleitet.

Am Ende des Tages rauchen die Köpfe und die Jung-Ingenieure nehmen wertvolle Erfahrungen mit zurück in den Hörsaal. Nun geht es an die Auswertung und Aufarbeitung der bisher erfassten Daten. Weitere Erkenntnisse werden dazu kommen, denn in Kürze sind an der Hangbrücke Haiger noch Kernbohrungen und Drohnenflüge geplant. Auch diese Praxis-Ergebnisse fließen in die Variantenuntersuchungen mit ein, die dann Mitte Juli zum Ende des Semesters den Autobahn-Ingenieuren präsentiert werden.

Kontakt: Anke Bruch, Tel.: 0173/5742716, anke.bruch@autobahn.de