Tierische Ingenieure

Biber plant, baut und betreibt Revier an Autobahnanschlussstelle

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Manche Tierarten beeinflussen ihre Umwelt um sich herum: Blattschneider-Ameisen beispielsweise verbessern das Mikroklima im Boden, weil sie in ihren Nestern ausgeklügelte Belüftungssysteme anlegen. Dadurch begünstigen sie das Wachstum von Pflanzen. Andere verändern ganze Autobahn-Anschlussstellen.

Die Rede ist von einem Biber. Wegen der Auswirkungen ihrer Dämme auf Bäche und auf die Artenvielfalt in den Gebieten, in denen sie diese bauen, sind Biber als Ökosystem-Ingenieure lange bekannt. Biberdämme fangen große Mengen Wasser auf und bilden große Teiche, die die Biber für ihr Überleben nutzen. Diese Teiche erhöhen die Menge an Lebensraum, die den Bibern zur Verfügung steht, und fördern das Wachstum von Pflanzen, die die Biber gerne fressen, und helfen ihnen, Raubtieren auszuweichen, die ihre Unterwasserbehausungen nicht erreichen können. Der Bau von Dämmen verändert sogar die Menge an Kohlenstoff und Stickstoff, die vom Wasser recycelt wird.

Die Biber folgen dabei einem Leitsatz: Was nicht passt, wird passend gemacht. Sie bauen gerne dort, wo andere zurückschrecken. Kräuter, Blätter, Äste und Rinde stehen auf ihrer Speisekarte. Kein Winterschlaf, keine Winterruhe – immer im Einsatz.

So auch am hessischen Hellenbach – einem Bach, der in der Gemeinde Hainburg seinen Ursprung hat und zwischen Steinheim und Klein-Auheim in den Altmain mündet – wo sich ein Biber niedergelassen hat. Auf einer Fläche zwischen der B 43a sowie der Auffahrt der Anschlussstelle Klein-Auheim fließt der Hellenbach von der B 43a kommend bis zur Fasaneriestraße. Hier hat besagter Biber einen Damm gebaut und so die gesamte Fläche im Anschlussohr unter Wasser gesetzt.

Die Bäume dienen dem Biber als Baumaterial, aber auch als Nahrung. Einige Bäume innerhalb der Fläche und im Abstand zum Straßenverkehr hat er bereits erfolgreich gefällt und weiterverarbeitet. Durch diese Aktivitäten ist eine strukturreiche und damit wertvolle Fläche entstanden. Bei der diesjährigen erneuten Baumkontrolle wurde allerdings festgestellt, dass auch einige Bäume in der Nähe der Straße angenagt und damit sturzgefährdet sind. In der Mitte der Fläche stellen diese Bäume keine Gefahr dar. Stehen diese allerdings zu nah an der Bundesstraße, gefährden sie den angrenzenden Straßenverkehr.

Bei einem Ortstermin im Juli 2021 gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Biberbeauftragten der Oberen Naturschutzbehörde und Vertretern der Abteilung Naturschutz der Außenstellen Darmstadt und Wiesbaden der Autobahn GmbH des Bundes wurde die Fläche besichtigt und Lösungsvorschläge besprochen. Um die wichtigen Strukturen der Fläche weiter zu erhalten, plant die Autobahn GmbH die betroffenen Bäume nicht zu fällen, sondern in einer Höhe von 3 bis 5 Metern zu kappen und die Kronen in der Fläche zu belassen. So können sie dem Biber weiterhin als Nahrung und Baumaterial dienen. Die verbleibenden Stämme können – für die Verkehrsteilnehmenden dann gefahrlos – vom Biber weiter gefällt und verarbeitet werden. Um den Biber in seinem Revier möglichst nicht zu stören, werden alle Maßnahmen von der Bundesstraße oder der Auffahrt aus durchgeführt. Somit ist das Befahren und Betreten der Fläche nicht nötig und der Biber kann ungehindert seinem Tagwerk nachgehen.

Alle weiteren Maßnahmen zum Schutz von Tier und Mensch sollen mit den geplanten Gehölzpflegemaßnahmen zwischen Oktober 2021 und Ende Februar 2022 durchgeführt werden.

Das Projekt zeigt, dass Verkehrssicherungspflicht und Naturschutz Hand in Hand durchgeführt werden können. Mit offenen Gesprächen, transparenter Arbeitsweise und gemeinsamen Ideen entstehen Lösungen. Denn Ökosystemingenieure wie der Biber haben einen immensen Einfluss auf den Reichtum und die Heterogenität der Landschaft und sind für die Aufrechterhaltung der Stabilität und Resilienz der Umgebung, in der sie sich aufhalten, unerlässlich.

Mehr zur Gehölzpflege erfahren Sie in unserer Pressemitteilung.



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Mandy Burlaga

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