Umleitung ist nicht gleich Umleitung

Spaß machen sie keinem, aber sie sind für so manche Arbeiten nötig: Umleitungen auf der Autobahn. Jürgen Happel, Verkehrsingenieur bei der Autobahn Westfalen, kennt nicht nur die Möglichkeiten, diese für die Autofahrer so angenehm wie möglich zu gestalten. Er weiß auch, worauf es bei einer effizienten Umleitung ankommt.

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Umleitung ist nicht gleich Umleitung

Hamm. Egal ob die Erneuerung der Fahrbahndecke in einer Auffahrt, die nächtliche Wartung eines Tunnels oder die aufwendige Sanierung einer Brücke – regelmäßige Arbeiten an der Autobahninfrastruktur sind für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und für ein komfortables Reisen auf gut erhaltenen Straßen von großer Bedeutung. Zwar versucht die Autobahn Westfalen möglichst viele dieser Arbeiten bei laufendem Verkehr durchzuführen, doch manchmal ist das aufgrund des Einsatzes von schwerem Gerät, des Umfangs der Maßnahme oder aus Sicherheitsgründen nicht möglich. In diesen Fällen muss eine Umleitung eingerichtet werden.

Wer lange Strecken mit dem Auto fährt weiß jedoch, dass Umleitung nicht gleich Umleitung ist. Erst recht nicht im Netz der Autobahn, in dem die Verkehrsbelastung besonders hoch und die Umfahrungen teils weiträumig und zeitaufwendig sind. Auf Autobahnen gibt es grundsätzlich drei Arten von Umleitungen: Rote-Punkt-Umleitungen, blaubeschilderte Bedarfsumleitungen und weiträumige Umleitungen innerhalb des Autobahnnetzes.

Ortskenntnis statt Taschenrechner

Doch wer entscheidet, welche dieser Maßnahmen für das jeweilige Bauprojekt die richtige ist? Bei der Autobahn Westfalen kümmern sich darum Verkehrsingenieure wie Jürgen Happel. Er weiß aus Erfahrung: „Solange der Verkehr rollt, ist der Autofahrer deutlich entspannter.“ Deshalb schaut sich Happel mögliche Ausweichstrecken im Vorfeld genau an: Wie viele Kilometer Umweg müssen die Verkehrsteilnehmer in Kauf nehmen? Wie viele Ampeln sind auf welcher Route zu passieren? Wo droht ein längerer Stau? Und führt die Umfahrung womöglich durch Wohngebiete, an Krankenhäusern oder Schulen vorbei? All diese Fragen fließen in Happels Beurteilung ein. „Am Ende setzen wir bei unseren Planungen alles daran, den Verlust der Reisezeit und die Verkehrsbelastung in sensiblen Bereichen so gering wie möglich zu halten“, verspricht er. Dabei werde weniger ein Taschenrechner als eine gute Ortskenntnis und jahrelange Erfahrung benötigt.

Aus jener Erfahrung weiß Happel: Bei Sperrungen von Auf- und Ausfahrten sowie ähnlichen eingrenzbaren Arbeiten reicht oftmals das Aufstellen weißer Schilder mit einem großen roten Punkt in der Mitte. Folgen Verkehrsteilnehmer diesen, für die Dauer der jeweiligen Umleitung aufgestellten Schildern, beträgt der Umweg meist nur zwischen einigen Hundert Metern und wenigen Kilometern. Diese Art von Umleitung ist eine „westfälische Spezialität“, erklärt Happel. Sie ist längst nicht im gesamten Bundesgebiet üblich.

Die Bedarfsumleitung als Standardprogramm

Bei größeren Maßnahmen auf der Strecke versuchen die Experten den Verkehr eher über Bedarfsumleitungen umzulenken. Dabei handelt es sich um gemeinsam mit Kreisen und Kommunen festgelegte Routen, die mit blauen Schildern abseits der Autobahn von einer Anschlussstelle zur nächsten führen. „Das ist das Standardprogramm“, sagt Happel. Auf den Schildern ist in weißer Schrift ein „U“ sowie eine Zahl zu sehen – aufsteigend werden für die eine Fahrtrichtung nur gerade und für die andere Fahrtrichtung nur ungerade Nummern vergeben. Aufgrund der Bedeutung der Bedarfsumleitungsstecken werden diese mindestens alle zwei Jahre von den Verkehrsbehörden abgefahren und auf Schäden an der Beschilderung überprüft. Dabei kann es auch vorkommen, dass durch neue Ortsumfahrungen oder Hinweise Änderungen an der Streckenführung vorgenommen werden.

In seltenen Fällen ist eine noch weiträumigere Umfahrung als bei einer Bedarfsumleitung, zum Beispiel durch die Sperrung einer Brücke, vonnöten. Dann wird der Verkehr über das angegliederte Autobahnnetz – die sogenannte Netzmasche – umgeleitet. Dies ist oft der Fall, wenn das Verkehrsaufkommen auf der Strecke besonders groß und keine geeigneten Ausweichstrecken vorhanden oder diese erwartbar schnell überlastet sind. Das geschieht über dynamische Hinweistafeln, die in der Regel vor Autobahnkreuzen stehen. „Wenn wir Verkehr umleiten, können wir das nicht einfach über jede Straße tun“, erklärt Happel. Deshalb sind vorausschauende Planung und Absprachen mit anderen Behörden so wichtig. Wenn die Verkehrsteilnehmer dann auch noch den Umleitungshinweisen statt ihren Navigationsgeräten vertrauen, erspart das nicht nur viel Zeit, sondern auch jede Menge Frust und Ärger.