Region: Westfalen, …Status: In Planung

Autobahn: A 45, …Ersatzneubau Talbrücke Rahmede

Die Talbrücke Rahmede musste Anfang Dezember für den gesamten Verkehr gesperrt werden, weil Schäden am Tragwerk festgestellt wurden.

Daten & Fakten

Gesamtlänge

453 Meter

Baujahr

1965 bis 1968

Bauform

Einteiliger Überbau, Spannweiten zwischen 54 und 104 Meter, Höhe bis zu 70 Meter


Projektbeschreibung

Ersatzneubau unter Hochdruck nach Vollsperrung der A45 wegen Schäden an der Talbrücke Rahmede

Die Talbrücke Rahmede ist bei einer Brückenkontrolle Anfang Dezember 2021 per Laserscan untersucht worden. Dabei wurden Verformungen im Überbau gefunden, die eine sofortige Sperrung der A45 für den gesamten Verkehr notwendig machten.

Noch am Tag dieser Sperrung wurden weitere Untersuchungen in Auftrag gegeben, um das gesamten Ausmaß der Schäden beurteilen zu können. 

Abschließende Untersuchungen haben Anfang Januar ergeben, dass es nicht mehr möglich ist, Verkehr über die Brücke fließen zu lassen. 

Die Planungen zum Ersatzneubau laufen derzeit mit Hochdruck. Mehr dazu finden Sie hier

Bundesverkehrsminister Wissing: Rahmede-Brücke an A45 wird gesprengt

Am 8. Februar 2022 äußerte sich der Bundesverkehrsminister Volker Wissing gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Heute kam die Nachricht, dass die technischen Voraussetzungen für eine Sprengung der Talbrücke Rahmede vorliegen. Diese Chance zur Beschleunigung greifen wir für die Region auf. Damit können wir erheblich Zeit einsparen und die Prozesse für einen Neubau der Brücke schneller voranbringen".  


Aktueller Sachstand (3.12.2021)

Aktueller Sachstand (13.12.2021)

Aktueller Sachstand (31.01.2022)



Informationen zu Umleitungen - Informations about dertours


Informationen der Stadt Lüdenscheid


Bürgerbüro

In der Lennestraße 2 hat Ende April das Bürgerbüro des Bügerbeauftragten Sebastian Wagemeyer eröffnet. Der Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid hat auf Bitten von Verkehrsminister Volker Wissing die Aufgabe rund um den Neubau der Brücke Ansprechpartner für die Bürger zu sein. Zur Webseite des Bürgerbeauftragten geht es hier


Informationen von Straßen.NRW


Historie

Für weniger Verkehr und weniger Gewicht geplant

  • Die Brücke wurde in den 1960er Jahren mit einer Verkehrsprognose geplant, die von 25.000 Fahrzeuge im Jahr 1980 ausging. Inzwischen ist die Belastung auf 64.000 Fahrzeuge angestiegen, davon 13.000 Lkw.
  • Hinzu kommt, dass das zulässige Gesamtgewicht der Lkw wie auch die zugelassenen Achslasten seit dem Bau der Brücke gestiegen ist. Ende der 1950er Jahre lag das zulässige Gesamtgewicht bei 24 Tonnen (acht Tonnen Achslast). Ab 1960 steigerte sich das zulässige Gesamtgewicht auf 32 Tonnen (10 t Achslast) bzw. 38 Tonnen Gesamtgewicht (1968).
  • Das zulässige Gesamtgewicht für LKW beträgt heute im gesamten Bundesgebiet 40 Tonnen oder 11,5 Tonnen Achslast. Sind die LKW schwerer, bedarf es grundsätzlich einer Sondergenehmigung. Wiegeanlagen wie an der Rheinbrücke Neuenkamp zeigen, dass sowohl das Gesamtgewicht als auch die Achslasten regelmäßig überschritten werden. Auch dieser Umstand trägt zu einer höheren Belastung der Bauwerke bei.
  • Die Talbrücke Rahmede ist wie einige andere Brücken auch für den genehmigungspflichtigen Schwerverkehr (bis 60 Tonnen) gesperrt.
  • Auf der Brücke war bislang eine Verkehrsführung (Fahrstreifeneinengung) eingerichtet. Es galt ein Lkw-Überholverbot, ein Tempolimit (Pkw: 80 km/h/Lkw: 60 km/h) sowie ein Abstandsgebot von 50 Metern für Lkw.

A45: Neue Quartiere für Fledermäuse an der Talbrücke Rahmede

Fledermäuse an der gesperrten Talbrücke Rahmede können den nächsten Winter in neuen Quartieren verbringen. Neben großen Ersatzquartieren – als Pfeilerersatz werden optisch ansprechend gestaltete Betontürme errichtet – hat die Schreinerei des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetriebs Lüdenscheid (STL) im Auftrag der Autobahn Westfalen mit dem Bau von speziellen Kästen begonnen, die im Umfeld der gesperrten Brücke aufgestellt werden, um zusätzlich das Quartierangebot zu vergrößern.

A45: Umleitungsempfehlung auf vielen Kanälen

Die Autobahn Westfalen informiert Lkw-Fahrerinnen und Fahrer inzwischen auf unterschiedlichsten Wegen über die Sperrung der A45 bei Lüdenscheid. Mit der Einrichtung der Vollsperrung wurden sofort die so genannten dWiSta-Tafeln aktiviert, die bereits weit im Voraus auf die Sperrung hinweisen.


Verkehrsmeldungen

Pressebilder zum honorarfreien Download

Die Fotos und Videos können in redaktionellen Beiträgen und Medienberichtserstattungen unter Nennung des/der jeweiligen Fotografen/Fotografin im Hinweis auf das Urheberrecht frei verwendet werden.


Erste Untersuchungen an der Talbrücke Rahmede (3.12.2021)

Weitere Fotos

Weitergehende Untersuchungen an der Talbrücke Rahmede (6.12.2021)

Weitere Fotos

Drohnenaufnahmen von der Talbrücke Rahmede

Weitere Fotos und Videos

Die gesperrte Talbrücke Rahmede (13.1.2022) 

Weitere Fotos


Inhalt


Die Planung

Planung des Neubaus

  • Für den Ersatzneubau der Talbrücke Rahmede liegt eine Planung aus dem Jahr 2016 vor, die nun an die neuen Anforderungen angepasst werden muss. Vor der Sperrung der Talbrücke war angedacht, einen Neubau auf Hilfspfeilern neben der Brücke zu errichten. So hätte der Verkehr weiter laufen können. Mit der Entscheidung, die Brücke noch im Jahr 2022 zu sprengen, kann der Neubau nun am Standort der alten Brücke geplant werden.
  • Für die Planung müssen unterschiedliche Gutachten erstellt werden. 
  • Dabei steht zum Beispiel die Umwelt im Mittelpunkt. Eine Kartierung aus dem Jahr 2016 wird ergänzt. Das heißt, es wird genau untersucht, welche Lebensräume für Tiere und welche Vorkommen von geschützten Arten es im Umfeld der Neubaumaßnahme es gibt. Aus diesen Erkenntnissen werden wiederum Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen entwickelt, um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten. 
  • Ein Bodengutachten dient als Grundlage für die weitere Planung des Neubaus. Dabei werden wichtige Grundlagen für die Gründung der Brücke ermittelt. Bevor die Bohrungen für das Bodengutachten durchgeführt werden können, muss für das Baufeld die Kampfmittelfreiheit belegt werden. Die Untersuchungen dazu haben in der Woche vor Ostern begonnen. 

Ausgleichsmaßnahmen in der Umsetzung

  • Parallel zur Planung werden Ausgleichs- und Artenschutzmaßnahmen umgesetzt.
  • Für Wanderfalken, die an der Talbrücke Rahmede nisten, werden Ausgleichsquartiere geschaffen. Diese Maßnahme ist eng mit der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) abgestimmt.
  • Bei der Kartierung und den anschließenden Überprüfungen wurden 1148 Zwergfledermäuse, 52 Langohrfledermäuse, 50 Große Abendsegler sowie Zweifarbfledermäuse (meist 1-3 Tiere) im Umfeld der Brücke gefunden. Für sie gilt es Ersatzquartiere zu schaffen. 
  • Für Fledermäuse werden drei Stollenöffnungen freigelegt und optimiert, um im Naturraum vorhandene Quartiere für die Tiere nutzbar zu machen. Zusätzlich stellt die Autobahn Westfalen sieben Fledermaustürmchen aus Holz auf. Zwei große Fledermaustürme werden darüber hinaus als „Pfeilerersatz“ errichtet. Diese Türme haben eine Grundfläche von vier mal vier Metern und sind acht Meter hoch. Um das Betonbauwerk in die Landschaft einzufügen, wird es optisch ansprechend gestaltet. Diese Maßnahmen bieten anschließend zusammen 40 Winterquartierkästen sowie 40 Sommerquartierkästen. 
  • Fledermauskästen wurden im Auftrag der Autobahn Westfalen unter anderem in der Schreinerei des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetriebs Lüdenscheid (STL) hergestellt. Mehr lesen Sie hier
  • Für die im Bereich unter der Brücke lebenden Haselmäuse werden in den Flächen außerhalb des geplanten Baufeldes und der Baustraßen 300 Haselmausnistkästen, so genannte Kobel, aufgehängt. 

Brückenmodell im Windkanal

  • Für die Bauplanung muss ein Windgutachten erstellt werden. Dabei geht es vor allem um die Bauausführung. Wird der Brückenüberbau Stück für Stück über das Tal geschoben, ist er dem Wind stark ausgesetzt. Diese zum Teil enormen Lasten müssen bei der Planung berücksichtigt werden. Ursprünglich war geplant, den Neubau neben dem Bestandsbauwerk zu errichten und später an seinen Platz zu schieben. Jetzt wird die alte Brücke gesprengt und die Neubauplanung muss auf den Bau am alten Platz angepasst werden. Das Tal der Rahmede verläuft von West nach Ost, liegt also damit in einer der Hauptwindrichtungen.
  • Bei größeren bzw. exponiert stehenden Brücken wird dazu ein Modell nachgebildet und in einen Windkanal gestellt. Eine zeitliche Auswirkung auf den Neubauprozess hat die Aktualisierung des Gutachtens nicht. Mehr lesen Sie zu diesem Thema hier.

Sauberes Wasser für die Rahmede

  • Die Autobahn Westfalen legt für die neue Talbrücke Rahmede eine moderne Regenwasserbehandlungsanlage (RWBA) an. Das Becken, das mit einem so genannten Retentionsbodenfilter ausgestattet wird, entsteht am jetzigen Ölabscheider am Wislader Weg. 
  • Gebaut wird zunächst ein etwa 20 mal 55 Meter großes Betonbecken, das am Ende ein Volumen von 4500 Kubikmetern haben wird. Das entspricht der Füllung von rund 30.000 Badewannen. In der Anlage wird das von der Autobahn abfließende Regenwasser gesammelt, durch den Bodenfilter geleitet und anschließend gedrosselt über einen Kanal in die Rahmede geleitet. 
  • Der Filter ist quasi eine kleine Öko-Kläranlage. Auf und in der Filterschicht finden physikalisch-chemisch und biologische Reinigungsprozesse statt. Der in dem Retentionsbodenfilter geschichtete Boden, bestehend aus Filterkies, Filtersubstrat und carbonathaltigem Kies, wird mit Schilf bepflanzt.  Die Wurzeln des Schilfs sorgen dabei nicht nur für Halt, sondern sie lockern den Boden dauerhaft auf. Der dichte Schilfbewuchs sorgt zudem dafür, dass sich nicht andere Pflanzen ansiedeln.
  • Der Bach Wismecke, der derzeit noch durch den alten Ölabscheider fließt, wird in Zukunft am Becken vorbei durch ein Rohr Richtung Rahmede geführt.
  • Alle Maßnahmen sind mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde eng abgestimmt. Mit einer Bürgerinformation hat die Autobahn Westfalen am Mittwoch (6.4.) die direkten Anlieger und Grundstückseigentümer über die geplante Baumaßnahme informiert.
  • Die Autobahn Westfalen betreibt insgesamt etwa 400 Regenwasserbehandlungsanlagen an ihren Strecken. Damit gehören die Anlagen zur Autobahn wie Mittelleitplanke und Hinweisschilder und werden – steht zum Beispiel ein Neubau einer Brücke an – auf dem technisch neuesten Stand neu errichtet. Mit der Regenwasserbehandlung – und hier mit dem Einbau eines Retentionsbodenfilters – leistet die Autobahn Westfalen so einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

Der Neubau

Baugrunduntersuchungen sind wichtige Grundlage

  • Die Untersuchung des Baugrundes ist ein erster wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Neubau. Zwar hat im Rahmede-Tal mehr als 50 Jahre eine Brücke ihren Dienst getan, der Boden, auf dem sie steht, muss dennoch erneut untersucht werden. „Ingenieure sind in den 1960er Jahren mit anderem Wissen und unter anderen technischen Voraussetzungen, was für Lasten eine Brücke tragen muss, an die Planung gegangen“, erklärt der Projektleiter Michael Neumann. Der Baugrund muss für einen Neubau darum noch einmal genau in Augenschein genommen werden. „Mit den Boden-Daten kann ausgearbeitet werden, wie das Bauwerk im Boden verankert wird.“ Diese Verankerung – im Fachjargon Gründung genannt – kann in die Tiefe gehen oder als Flachgründung mehr in die Breite.
  • Entsprechend der angedachten Pfeilerstandorte ist ein Konzept für die Baugrunduntersuchung entwickelt worden. Hier wird Anfang Mai gebohrt und gerammt. Die direkten Anlieger müssen sich keine Sorgen machen, dass beim Rammen die Gläser in der Vitrine wackeln. Die Rammsonden sind in drei Kategorien eingeteilt. Dabei arbeitet das automatische Rammsondiergerät mit einem Fallgewicht (Rammbär) von 10, 30 oder 50 Kilogramm und der Fallhöhe von 50 Zentimetern. Gemessen wird dann die Schlagzahl, die die Sonde braucht, um in Schritten von je zehn Zentimetern in den Boden einzudringen. „Die Sondierungen erlauben eine schnelle und einfache Feststellung, wo Grenzen der Bodenschichten verlaufen“, sagt Neumann. „Sie sind eine wichtige Ergänzung und Kontrolle der Bohrungen.“
  • Herausforderung bei den nun anstehenden Arbeiten ist wie schon bei den Rodungen das steile Gelände. Um Zeit zu sparen, wartet man mit den Baugrunduntersuchungen nicht auf die Anlage der Baustraßen, deren Anlage viel Zeit beansprucht. „Wir ziehen die Geräte in den Hang“, erklärt Michael Neumann. Gut vierzig Bohrungen stehen an sowie etwa 20 Rammsondierungen. Die Ergebnisse der Untersuchungen fließen in ein Gutachten ein, das Grundlage für die weiteren Planungen ist.
  • Neben den Baugrunduntersuchungen stehen auch Probenentnahmen an den Brückenpfeilern an. Hier wird der Beton anschließend auf seine Festigkeit hin überprüft. Die Ergebnisse sind wichtig für die Planung des Sprengabbruchs. Der Beton wird außerdem auf Schadstoffe untersucht. 


Thema Brückenschaden

Im Zuge der Neubauplanung an der A45 stehen alle Brücken im Blick. Die Verformungen an der Rahmedetalbrücke sind im Zuge dieser Untersuchungen aufgefallen. Aus Sicherheitsgründen musste das Bauwerk sofort gesperrt werden.

Bis Ende Dezember wurden an etwa 300 Stellen Verformungen festgestellt. Die Verformungen sind unterschiedlich ausgeprägt. Die stärkste Verformung war eine 16 Millimeter starke Beule. Tolerierbar sind maximal 5,6 Millimeter.

Bei weiteren Untersuchungen wurden zudem Risse in Schweißnähten sowie Korrosionsschäden gefunden. Die Summe der Schäden hat dazu geführt, dass die Brücke nicht wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.

Wenn die Stahlkonstruktion versagt, ist die Sicherheit gefährdet. Deswegen hat die Autobahn Westfalen sofort gehandelt und die Brücke gesperrt.
 

Die Brücke muss nun keine Lasten mehr tragen und ist stabil. Sollte es zu starken Schneefällen und damit zu einer zusätzlichen Last kommen, wird das Bauwerk mit Salzeinsatz vom Schnee freigehalten.

Wie alle anderen Brücken wurde auch die Talbrücke Rahmede in regelmäßigen Intervallen untersucht. Die letzte Hauptprüfung 2017 hat keine auffälligen Ergebnisse geliefert.

Weil die u.a. konstruktionsbedingten Schwächen der Brücke bekannt waren, wurde der Verkehr bereits vor Jahren auf der Brücke reduziert: Das Tempo wurde heruntergesetzt, die Fahrbahnen eingeengt und für Lkw gab es ein Abstandsgebot von 50 Metern sowie ein Überholverbot. So konnte auch in den letzten Jahren der Verkehr weiter fließen. Die großen Verkehrsmengen, aber vor allem auch die gestiegenen Transportgewichte in den vergangenen Jahrzehnten, sind die wesentlichen Gründe für den heutigen Zustand der 53 Jahre alten Brücke. Zudem hat die Missachtung der Vorgaben zu den weiteren Schäden geführt. Lkw haben verkehrswidrig überholt. Zudem sind viele Lkw überladen oder falsch beladen unterwegs.
 

Thema Verkehr

Die großräumige Umleitung mit Hilfe so genannter „dWiSta“-Tafeln (dynamische Wegweiser mit integrierten Stauinformationen) ist eingerichtet. Der Nord-Süd-Verkehr wird über die A3/A1 via Köln oder über die A44/A7 via Kassel geführt. Zusätzlich wurden mobile LED-Tafeln vor dem Autobahnkreuz Olpe-Süd, zur Ableitung auf die A4, aufgestellt. Auch Blechbeschilderung weist an zahlreichen Stellen auf die Sperrung hin. Die Umleitungen funktionieren, werden aber stetig – wo möglich – optimiert. Mitte Januar hat sich der Verkehr auf der A45 in der betroffenen Region von knapp 70.000 Fahrzeugen auf etwa 25.000 Fahrzeuge reduziert.

Die Autobahn Westfalen hat bereits im Dezember den Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e.V. in einer digitalen Konferenz über die Sperrung informiert. Der Verband für Verkehrswirtschaft und Logistik hat die entsprechenden Informationen umgehend an die nationalen und internationalen Partnerverbände weitergegeben.

Im Januar erfolgte eine weitere Information über die längerfristige Komplett-Sperrung mit einem Flyer in sieben Sprachen, der unter anderem an nationale wie internationale Transport- und Logistikverbände verschickt worden ist. In gedruckter Form wird der Flyer an Raststätten im Zulauf zur A45 ausgelegt. 

Die Autobahn Westfalen lädt regelmäßig zu einer Task Force Verkehr ein, um die Auswirkungen der A45-Sperrung auf den regionalen Verkehr zu besprechen. An den Besprechungen nehmen neben Vertretern unterschiedlicher Städte, des Kreises, der Rettungsdienste, der Polizei und Verkehrsbetrieben auch Vertreter von Straßen.NRW teil. Für die Umleitungsstrecke abseits der Autobahn ist Straßen.NRWzuständig. 

Am 18. Mai wurde mit der Anlage einer provisorischen Abfahrt an der Anschlussstelle Lüdenscheid begonnen. Hier wird der Verkehr so getrennt, dass die Betriebe in den Bereichen Rosmart und Bellmerei besser erreicht werden können. 

Thema Neubau

Die Rahmede-Talbrücke ist ein komplexes Bauwerk – siebzig Meter hoch und in einem fast alpinem Gelände gelegen. Realistischer Zeitraum für einen Neubau – wenn das Baurecht beschleunigt erlangt wird – sind fünf Jahre.

In einem Spitzengespräch im Dezember haben sich alle Beteiligten – auch die Politik – für eine Beschleunigung des Verfahrens ausgesprochen. Die Autobahn Westfalen hat parallel mit beteiligten Behörden aber auch Anliegern Kontakt aufgenommen, um so schnell wie möglich zum Beispiel Baugrunduntersuchungen oder Vermessungsarbeiten durchzuführen. Auch beim Thema Umwelt gab es schnell Gespräche und erste Vereinbarungen.

Die Autobahn Westfalen hat umgehend Kontakt zu den Eigentümern im geplanten Baugebiet aufgenommen. Dabei geht es entweder darum, Grundstücke zu kaufen oder vorübergehend in Anspruch zu nehmen. Die Rückmeldungen sind positiv. In der Regel gelingt es, mit den Betroffenen eine Einigung zu erzielen. Ab Anfang des Jahres wurden für die benötigten Flächen Gutachten zur Bewertung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erstellt, die Grundlage für Verträge zu Kauf bzw. vorübergehender Inanspruchnahme sind.

Die Talbrücke Rahmede kann gesprengt werden. Das hat eine Machbarkeitsstudie ergeben. „Wir haben bereits mit der Planung begonnen und hoffen, dass wir noch in diesem Jahr den Sprengknopf drücken können. Das Abtragen der Brücke mit Hilfe eines Gerüsts hätte viel länger gedauert", so die Direktorin der Niederlassung Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek. 
Siehe auch Pressemitteilung vom 10.02.2022

Die Nutzung der alten Pfeiler der Talbrücke Rahmede kommt aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage:

  • Die Bausubstanz der Pfeiler stammt wie die des Brückenüberbaus aus den Jahren 1965 bis 1968. Auch Beton altert und würde in absehbarer Zeit erneuert werden müssen. Das macht den alleinigen Austausch des Überbaus nicht wirtschaftlich.
  • Ein neuer Überbau würde nach den heutigen Normen weitaus massiver hergestellt und damit neue Lasten für die Bestandspfeiler bedeuten. Ein statischer Nachweis, dass die alten Pfeiler die höheren Lasten tragen können, ist unwahrscheinlich.
  • Die neue Brücke wird aus zwei getrennten Überbauten bestehen. Zur kippsicheren Lagerung der Brücken werden jeweils zwei Lagerpunkte je Pfeiler benötigt. Die alten Pfeiler sind dafür allerdings zu schmal.
  • Voraussichtlich wird die neue Brücke im so genannten Taktschiebeverfahren hergestellt. Dabei wird der Überbau von einer Seite aus Stück für Stück verlängert und über die Pfeiler geschoben. Durch das Einschieben treten Horizontalkräfte auf, für die weder Pfeiler noch Gründung bemessen wurden. Die alte Brücke wurde nicht eingeschoben, sondern im Freivorbau gebaut.
  • Eine Verstärkung der alten Pfeiler zum Beispiel durch Ummantelung löst das Problem der alten Bausubstanz nicht. Zumal für eine Ummantelung auch eine Gründung im direkten Nahbereich der Pfeiler notwendig wäre. Das ist technisch nur schwer umzusetzen.

Um die Brückenplanung abschließen zu können, muss der Baugrund untersucht werden. Die dazu notwendigen Bohrungen werden die ersten Arbeiten sein, die im geplanten Baugebiet vorgenommen werden. Zur Vorbereitung der Arbeiten wird unter anderem das Baufeld unter der Brücke gerodet.
 

Dass die Talbrücke Rahmede neu gebaut werden muss, steht tatsächlich schon längere Zeit fest. Das gilt gerade an der A45 auch für weitere Brücken, die alle aus den 1960er/1970er Jahren stammen. Die Neubauplanung muss dabei so gemanagt werden, dass einerseits der Zustand der Brücken betrachtet wird, dass andererseits auch die Menge und Länge von Baustellen an einer so anspruchsvollen Strecke mit berücksichtig wird.

2015 wurde ein Planungsauftrag für die Talbrücke vergeben. Der Neubau der Brücke wurde aber wegen einer geänderten Priorisierung zeitlich nach hinten verschoben. Möglich war das, weil auf dem Bauwerk eine so genannte Verkehrsführung eingerichtet wurde, um die Brücke zu entlasten und ihre Lebensdauer so zu verlängern: Das heißt, für LKW gab es ein Überholverbot und ein Abstandsgebot von 50 Metern. Auch die Geschwindigkeit auf der Brücke war reduziert. Zudem wurde die Hauptfahrspur so verlegt, dass die Belastung der Brücke geringer war. Den Neubau der Brücke zu verschieben war aus heutiger Sicht nicht richtig.

Die Autobahn Westfalen plant und baut nach den gesetzlichen Vorgaben. Auf eine Änderung haben wir keinen Einfluss.

Die Autobahn Westfalen arbeitet mit einem internen 15köpfigen Team sowie derzeit sieben externen Büros mit Hochdruck an der Realisierung des Neubaus. Gleichzeitig laufen die weiteren Planungen und Arbeiten an mehreren anderen neu zu bauenden Brücken an der A45.

Für den Ersatzneubau der Brücke liegt bereits eine Kartierung vor, die derzeit ergänzt wird. Das bedeutet, dass ein Jahr lang in allen Vegetationsperioden die Natur im potentiellen Baugebiet beobachtet und dokumentiert worden ist. Für geschützte Arten, die bei dieser Bestandsaufnahme gefunden wurden, gibt es bereits mit Naturschutzbehörden und ehrenamtlichen Verbänden abgestimmte Schutzmaßnahmen. 

In Abstimmung mit der „Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW“ wird unter anderem für den Wanderfalken ein Ersatzquartier errichtet. Auch für Fledermäuse werden kurzfristig erste Ersatzquartiere geschaffen. Die Quartiersstandorte sind mit den Grundeigentümern abgestimmt. Haselmäuse finden, wenn sie aus der Winterruhe erwachen, geeignete Haselmaus-Nistkästen, die sie als Ersatzquartiere nutzen können. 

 

Unter der Talbrücke Rahmede muss der Baugrund untersucht werden. Ende März hat dazu der beauftragte Unternehmer eine Baustelle eingerichtet. Im Hang selbst darf in diesem Monat noch nicht gearbeitet werden, da die Fläche unter der Brücke Lebensraum der geschützten Haselmaus ist. Die Tiere befinden sich bis Ende April/Anfang Mai im Winterschlaf.

Den Einsatz einer Raupe, die einen kurzen Streifen Oberboden unter der Brücke weggeschoben hatte, untersagte die Autobahn Westfalen am Donnerstag (24.3.). Mit der Firma war vereinbart gewesen, vorbereitende Arbeiten auszuführen. „Für den Bau der Talbrücke Rahmede gehen alle hoch motiviert ans Werk“, erklärte Dirk Stiepert, Leiter der Außenstelle Hagen. „Hier ist man aber tatsächlich zu schnell gewesen.“ Diese Arbeiten wurden sofort gestoppt. Mit den umgehend informierten Naturschutzbehörden fand noch am gleichen Tag ein Ortstermin statt.

Es gibt keine Verzögerungen für das Projekt durch die gestoppten Arbeiten im Hang. Die Autobahn Westfalen ist in ihrer Planung von Baugrunduntersuchungen im Mai ausgegangen. Im Planungsprozess werden zahlreiche Aspekte parallel abgearbeitet, für die Baugrunduntersuchungen ist ein ausreichend großes Zeitfenster vorhanden. Baugrunduntersuchungen sind notwendig, um die Planung der Brücke zu vervollständigen und die Gründungsmöglichkeiten zu analysieren.

Im Rahmen der Kartierung war an einem Brückenwiderlager ein Nest einer Haselmaus gefunden worden. In weiteren Kobeln, die bei einer Kartierung aufgehängt werden, um den Bestand zu ermitteln, hatten sich aber keine Mäuse gefunden. „Wir gehen davon aus, dass auf der Fläche keine große Population existiert“, sagt Landespfleger Simon Söhnchen. „Es ist aber es ein typischer Lebensraum für diese Tiere. Das wird bei den Planungen berücksichtigt.“

    • Flächen unter der Brücke wurden Anfang des Jahres freigeschlagen (Einsatz einer mobilen Seilbahn zum Abtransport der Stämme)
    • Vorbereitung zum Abbruch: „Leichtern“der Brücke. Beton-Gleitwände mit dem Gewicht von 150 Elefanten wurden von der Brücke gezogen.
    • Vermessung im direkten Umfeld der Brücke
    • Der Arbeitsbeginn unter der Brücke zur Baugrunduntersuchung war von Anfang an für Ende April/Anfang Mai im Hang geplant, hier gibt es keine Verzögerung.
    • Sondierungsbohrungen zur Kampfmittelsuche Mitte April.
    • ZahlreicheOrtstermine an der Brücke zur Vorbereitung von Ausschreibungen, z.B. Sprengabbruch, Wertermittlung Baugrund, Beweissicherung im Vorfeld der Sprengung
    • Abstimmung mit Versorgern(Gas, Wasser, Strom): u.a. Verlegung Trafohäuschen unter der Brücke. Berücksichtigung Hauptwasserleitung im Hang für Sprengung/Baustraßen (Leitung kann zur Sprengung liegen bleiben, muss aber im Anschluss evt. mit Blick auf Pfeilerstandorte und Baustraßen in Teilen verlegt werden)
    • Parallel zu den Planungen und vorbereitenden Arbeiten werden Ausgleichmaßnahmen im Umweltbereich sukzessive umgesetzt: Nistkästen Wanderfalken, ​ Stollenöffnungen (Bergbau- und Brauereistollen als unterirdische Quartiere für die Fledermäuse), sieben Fledermaustürmchen (gebaut unter anderem von der Schreinerei des Stadtbetriebes Lüdenscheid/ Fledermaus-Quartiere an der Rahmede | Aktuelles | Die Autobahn GmbH des Bundes), zwei Fledermaustürme „Pfeilerersatz“ (geplant), 40 Winterquartierkästen​, 40 Sommerquartierkästen​, 300 Haselmausnistkästen (Kobel)​
    • Entwässerungsplanung A45: Sauberes Wasser für die Rahmede | Aktuelles | Die Autobahn GmbH des Bundes

Haben Sie Fragen zum Projekt?

Wenn Sie weitere Fragen zum Projekt Talbrücke Rahmede haben, nutzen Sie unser Kontaktformular. Falls Ihre Frage nicht in die Zuständigkeit der Autobahn Westfalen fällt, leiten wir Ihre Anfrage gerne weiter. 

Bitte fügen Sie Dateien im Format .jpg oder .pdf mit insgesamt maximal 12 MB an.

Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung


Zurück an den Seitenanfang