Im Bauch der Brücke: Kontrolle für die Lady aus Beton und Stahl

Was für den einen Routine ist, ist für den anderen ein Ausflug mit Nervenkitzel: Wir haben hinter die - oder vielmehr in die - Kulissen der Saalebrücke Beesedau geschaut und durften Ingo Fett und Steffen Zwanzig von der Autobahnmeisterei Plötzkau bei ihrer Routinekontrolle der Brücke begleiten. Was es unter der Fahrbahn der A 14 alles zu bestaunen gibt.

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Circa zwanzig Kilometer südlich von Bernburg überspannt sie die Saale und bildet mit ihrem markanten Stahlbogen einen Teil der Bundesautobahn 14. Mit ihren fast 39 Metern Konstruktionshöhe ist sie ein markanter Landschaftspunkt zwischen Plötzkau und Alsleben. Blau-Gelb strahlt sie von weitem. Zwischen 1998 und 2000 wurde die Saalebrücke Beesedau gebaut, 4.400 t Stahl wurden dabei verwendet. Insgesamt ist sie 800 Meter lang und fast 30 Meter breit. Sie besteht aus einer Vorlandbrücke mit zwei getrennten Überbauten und der Strombrücke, welche als die markante blau-gelbe Bogenbrücke konstruiert wurde. Die Vorlandbrücke lagert auf acht Doppelpfeilern, die jeweils zwischen 12 und 14 Metern hoch sind.

Pflichtgerät Taschenlampe

Ingo Fett, Bauwart und Steffen Zwanzig, Leiter der Autobahnmeisterei Plötzkau brechen zu ihrer Routinekontrolle der Saalebrücke Beesedau auf. „Einmal im Jahr führen wir diese Besichtigung nach DIN 1076 durch“, erklärt Ingo Fett, während er auf einen unbefestigten Wirtschaftsweg in Richtung Brücke einbiegt. Sie kontrollieren die Brücke im Inneren auf Risse im Beton und auf Schäden an den Schweißnähten der Stahlbauteile. „Zur Sichtprüfung gehören auch Treppen, Türen und die Beleuchtung“, sagt er weiter. „Die ist natürlich für die Kontrolle wichtig, denn sonst ist es stockdunkel im Inneren“, lacht er.

Daraufhin bekommen wir auch schon die erste Regel erklärt: Die Taschenlampe ist immer mit dabei. „Wenn hier der Strom ausfällt, steht man ca. einen halben Meter unter der Fahrbahn der A 14 und im Dunklen und muss sich zum nächsten Ausgang finden“, verschont uns Steffen Zwanzig nicht mit einem mulmigen Gefühl. „Dann ist die Taschenlampe dein bester Freund, die leuchtet meist auch noch, wenn der Handy Akku wegen der Taschenlampen-App schlapp macht“, ergänzt Fett.

Es geht los: Wir steigen aus und begrüßen die Straßenwärter, die bereits mit einem LKW mit Wasserfässern vor Ort sind und die Außenanlage der Brücke reinigen. Über die Brücke zu fahren ist dank ihrer Bauweise ein optisches Highlight, unten drunter zu stehen ist noch imposanter. Wir gelangen wir über eine Tür ins Innere, zuerst in eine Art Vorraum. Kurz darauf geht es auf einer Leiter in den Bauch der Saalebrücke Beesedau. An diesem Tag ist es sehr windig, wir hören das Getöse und den Verkehr über uns. Dieses Geräusch begleitet uns die nächsten 1,6 Kilometer: Die Kontrolle beginnt unter der nördlichen Fahrbahn, die wir bis zum Ende laufen werden, über einen Ausstieg herunterklettern um dann über die nächste Leiter wieder unter der südlichen Fahrbahn zu unserem Startpunkt zurück zu laufen.

Mängelkontrolle in szenischer Atmosphäre

Filmfans werden leicht in Versuchung geführt, die Szenerie der hellen Leuchtstoffröhren und deren An-und Ausschalten mit einem Horrorfilm zu assoziieren. Unterwegs führen die beiden Autobahner ihre Routinekontrollen durch. Viele Mängel stellen sie heute nicht fest, dennoch finden wir zweimal Wasser an Stellen, wo es nicht sein sollte. „Die Kontrolle der Entwässerungsanlage ist sehr wichtig, die Massen an Regewasser, die über die Brücke abgeleitet werden müssen, müssen in ihrem System bleiben und dürfen das Bauwerk nicht beschädigen“, erklärt Steffen Zwanzig und notiert den Schaden auf seinem Protokoll.

Außergewöhnliche Veränderungen, erhebliche Mängel oder augenscheinliche Verformungen notieren die Autobahner und veranlassen, wenn nötig, eine Sonderprüfung. Das Werkzeug zur Prüfung ist simpel, aber wirkungsvoll: mit einer Rissbreitenschablone lässt sich leicht erkennen, ob alles im Rahmen ist oder ob sofort weitere Schritte eingeleitet werden müssen. Vorhandene kritische Risse werden schadensbildabhängig mit Epoxidharz, Polyurethanharz, Zementsuspension oder Zementleim gefüllt. Dazu werden sogenannte Packer (Einfüllstutzen) gesetzt. Steffen Zwanzig zeigt uns solche Stellen an der Decke, nicht weit von unseren Köpfen entfernt. „Das sieht für den Laien gefährlich und flickenhaft aus, ist aber ein ganz normales Verfahren und sicher“, erklärt er.

Lange laufen wir im Bauch der Brücke unter der A 14, bevor wir wieder ans Tagelicht kommen und nun auch den tosenden Wind am Leib spüren. Über die Seitentreppe gelangen wir zum Fahrbahnrand hinter der Schutzplanke. LKWs und PKWs donnern an uns vorbei. Die Windhose flattert im 90-Grad-Winkel.

Die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Plötzkau kontrollieren noch weitere Großbrücken im Gebiet ihrer Meisterei, so u. a. die Wipperbrücke, die Bodebrücke und die Plötzebrücke. Insgesamt 2.800 Brücken und andere Ingenieurbauwerke gibt es in der Niederlassung Ost. Bei durchschnittlich zwei Sichtprüfungen pro Bauwerk pro Jahr gibt es eine Menge weiterer spannender Momente für uns zu erleben, die für die Kolleginnen und Kollegen im Betriebsdienst Berufsalltag ist.

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