Kinderstube Talbrücke: Der Wanderfalke ist zurück

Seit 2010 die ersten zwei Wanderfalken-Brutpaare an den Thüringer Autobahnbrücken gesichtet wurden, haben immer mehr der einst ausgestorbenen Vögel daran gefallen gefunden. Eine Stippvisite in 110 Metern Höhe.

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Ein gezielter Blick durch sein Spektiv und Hans-Joachim Seeber hat sie gefunden: Die Wanderfalken-Jungen an den Autobahn-Talbrücken in Thüringen. In bis zu 110 Metern Höhe fühlen sich die Jungen im offenen Brutkasten sichtlich wohl. Seit 2010 die ersten zwei Wanderfalken-Brutpaare an den Thüringer Autobahnbrücken gesichtet wurden, haben immer mehr der einst ausgestorbenen Vögel daran gefallen gefunden: Seit 2014 waren es jährlich fünf Brutpaare, ab 2020 neun Brutpaare. Dieses Jahr wurde mit insgesamt 14 Brutpaaren eine beträchtliche Anzahl erreicht.

Bruten an Brückenpfeilern und Brückenbögen

„Insgesamt gibt es mittlerweile wieder mehr als 50 Brutpaare des Wanderfalken im Thüringen, das ist ein toller Erfolg“, erklärt Hans-Joachim Seeber. Der Ornithologe, der sich in seiner Freizeit beim Arbeitskreis Wanderfalkenschutz e.V. engagiert, kontrolliert und beobachtet jedes Jahr gemeinsam mit seinem Kollegen Mario Hofmann die Bruten auf dem Gebiet des Thüringer Waldes und an den Talbrücken. Unterstützung bekommen sie von den Kolleginnen und Kollegen der Außenstelle Erfurt. Dirk Busch und Virginia Brettin, verantwortlich für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an den Thüringer Autobahnen, unterstützen die Männer mit den örtlichen Zugängen zu den Bruten an den Talbrücken und speziellen Brutkästen. „Seit 2015 haben wir überdachte Nistkästen an einigen Pfeilern und Brückenbögen für die Tiere angebracht. Sie wurden sehr gut angenommen und werden seitdem jedes Jahr genutzt“, erzählt Dirk Busch.

Beringung an einem ungewöhnlichen Ort

Pro Brut gibt es meist zwei bis vier Junge, die Ende April bis Anfang Mai schlüpfen und im Laufe des Junis ausfliegen. Im Mai ist daher die Zeit der Beringung der Jungvögel. „Hier arbeiten wir eng mit der Niederlassung Ost der Autobahn GmbH zusammen. Um an die Nistkästen zu kommen, müssen die Brücken von Innen begangen werden“, sagt Hobby-Ornithologe Seeber. Die wissenschaftliche Vogelberingung dient zur Gewinnung von Informationen über das Leben wildlebender Vogelarten und zur Analyse ihresZugverhaltens. „Anhand verschiedener Ringfarben und Kennziffern kann man später nicht nur nachvollziehen, aus welchem Land der Wanderfalke kommt, sondern auch, ob er aus einem Brutplatz an einem Bauwerk oder einem Felsen stammt“, erklärt Seeber.

Hoch hinaus zum Nest

Auch heute soll es noch einmal hoch hinaus gehen: Wir steigen mit einem Kollegen der Autobahnmeisterei Zella-Mehlis in den Bauch der Talbrücke an der A71. Nach einigen hundert Metern treten wir ins Freie und stehen auf dem höchsten Punkt des Brückenbogens. Über uns rauscht der Verkehr, um uns herum sehen wir dicht bewaldete Hänge. Ein Vogel-Ruf ist zu hören: Die Wanderfalken-Mutter warnt ihre Jungen vor der scheinbar nahenden Gefahr. Wir treten vorsichtig um eine Ecke und sehen in zwei Metern Entfernung drei junge Wanderfalken im Nest sitzen. Vielleicht werden diese nach der Beringung demnächst in einer anderen Region in Deutschland gesichtet. Ihre Heimat: Die Autobahntalbrücken im Thüringer Wald.

 

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