Rekordverdächtig: Üko-Tausch an der Talbrücke Kallenbach in rund 50 Stunden

An der Talbrücke Kallenbach (A45 zwischen Dillenburg und Herborn-West) tauscht die Autobahn Westfalen die so genannten Übergangskonstruktionen aus. Das Besondere: Der Austausch geht dank eines einzigartigen Verfahrens an zwei Wochenenden unter Vollsperrung über die Bühne. Rekordverdächtig.

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Herborn. Jeder, der auf der Autobahn unterwegs ist, kennt dieses Geräusch: „Klack, klack“ macht es, wenn Pkw oder Lkw über eine Übergangskonstruktion rollen. Diese so genannte Üko ist ein Fahrbahnübergang zwischen Brücke und Straße, der Bewegungen der Brückenkonstruktion, die durch Temperaturschwankungen oder hohe Verkehrsbelastung entstehen, ausgleicht. An der Talbrücke Kallenbach (A45 zwischen Dillenburg und Herborn-West) tauscht die Autobahn Westfalen diese Übergänge derzeit aus. Das Besondere: Der Austausch geht dank eines einzigartigen Verfahrens an zwei Wochenenden unter Vollsperrung über die Bühne. Rekordverdächtig.  

Bei der Premiere Ende April hat alles perfekt funktioniert 

„Mit Verfahren wie diesem können wir, sofern die Randbedingungen passen, die Fahrbahnübergänge sanieren, ohne dass die Verkehrsteilnehmer lange Einschränkungen in Kauf nehmen müssen“, sagt Eugen Reichwein, Leiter der Außenstelle Dillenburg bei der Autobahn Westfalen.  Normalerweise müssen Verkehrsteilnehmer bei einem Üko-Tausch mit länger andauernden Verkehrseinschränkungen oder Staus rechnen. Eine sechs- bis achtwöchige Baustelle ist dabei nicht außergewöhnlich. In Fahrtrichtung Frankfurt wurde bereits Ende April Vollzug gemeldet. Alles hat perfekt funktioniert. „Ich habe selten so einen reibungslosen und ruhigen Ablauf einer termingebundenen Maßnahme erlebt“, so Jürgen Thielmann, Projektleiter der Autobahn Westfalen. Jetzt, fünf Wochen später, (28. bis 31. Mai) steht der Üko-Tausch in Fahrtrichtung Dortmund auf dem Programm.  

Umlegung des Verkehrs war nicht möglich 

Warum die Umsetzung mit einem gängigen und erprobten Verfahren nicht möglich war, erklärt Thielmann so: „Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als an der Talbrücke Kallenbach neue Wege zu gehen. Die Brücke ist in die Jahre gekommen und um die Verkehrslast noch tragen zu können, wird sie ab Ende September verstärkt.“ Ein Neubau ist bereits für 2025 anvisiert. Bis dahin hätten die alten Fahrbahnübergänge aber nicht mehr durchgehalten. „Es war klar, dass wir um einen Tausch nicht herum kommen“, so Thielmann weiter. Was jedoch nicht klar war: Wie bekommt man diesen Tausch hin? Die Umlegung des Verkehrs auf eine Brückenhälfte - normalerweise gängige Praxis - wurde von den Prüfingenieuren ausgeschlossen. „Die einteilige Brücke kann nur so belastet werden, wie sie zurzeit belastet wird. Das hieß für uns, der Tausch kann nur funktionieren, wenn wir je eine Fahrtrichtung voll sperren“. Dies könne man natürlich nicht über sechs oder acht Wochen machen, maximal ein Wochenende sei vertretbar.  

Idee reifte zur machbaren Lösung 

Und so wurde durch den Impuls eines namhaften Herstellers eine Idee geboren, die eigentlich als undenkbar galt, dann aber doch in Jürgen Thielmann mehr und mehr zu einer machbaren Lösung heranreifte. „Ein Üko-Tausch dauert ja nur so lange, weil große Aussparungen für die Montage erforderlich sind und weil viel Beton verwendet wird, der nach dem Einbau aushärten muss, um die erforderliche Festigkeit zu erreichen, so Thielmann. Die Lösung - kurz und vereinfacht zusammengefasst: die vorhandenen Platzverhältnisse nutzen, den Anteil der erforderlichen Aussparungen durch Änderungen an der Stahlkonstruktion optimieren, die Betonmenge reduzieren und anstelle des herkömmlichen Betons auf schnellerhärtenden modifizierten Vergussmörtel zurückgreifen. Der Übergang wird mit einer Seilsäge herausgeschnitten, auf ein Gerüst abgesetzt, mit einem Kran herausgehoben und die neue Fuge eingehoben. Auf der Brückenseite trifft Stahl auf Stahl - dort wird der Übergang verschweißt, auf der Seite des Straßenanschlusses verdübelt.  

Eine schnelle, aber technisch einwandfreie Ausführung ist auch deshalb gewährleistet, weil viele Arbeiten, die sonst auf der Baustelle notwendig sind, bereits im Werk des Auftragnehmers erledigt werden. 

Fakten: 

  • Die Üko ist 16  Meter lang, wiegt 20 Tonnen und hat unter der Brücke fünf Stützen, um die vertikalen Kräfte abzuleiten 
  • Gearbeitet wird vom 28. bis 31. Mai rund um die Uhr; insgesamt rund 50 Stunden; 10 bis 12 Arbeiter des Auftragnehmers sowie drei Bauüberwacher der Autobahn Westfalen sind im Einsatz.   

  • Der Austausch der zwei Ükos kostet 750.000 Euro 

  • Es ist der erste Üko-Tausch an der Talbrücke Kallenbach (Baujahr 1967) 

Kontakt: Anke Bruch, Tel.: 0173/5742716, anke.bruch@autobahn.de

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