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#Autobahnerklärt: Die Netzbeeinflussungsanlage Erfurt-Halle/Leipzig

Wer regelmäßig an den Autobahnkreuzen Erfurt und Rippachtal unterwegs ist, kennt sie: Die großen digitalen Anzeigen, auf denen z. B. Alternativrouten bei Stau empfohlen werden. Manche kennen sie als dWiSta-Anzeigen. Was genau steckt dahinter und wie funktionieren sie?

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Seit der durchgehenden Fertigstellung der A 38 und der A 71 ist mit der A 4 und der A 9 eine „Netzmasche“ entstanden. So ist es möglich, bei Störungen auf der A 4 oder der A 9 den Verkehr an den Autobahnkreuzen Erfurt und Rippachtal über die A 38 und die A 71 zu leiten. Dies ist z.B. sinnvoll, wenn die Tunnel Jagdberg oder Lobdeburg (A4) gesperrt werden müssen, wenn Staus oder Unfälle die Reisezeit auf der A 4 oder der A 9 erheblich verlängern oder im Zuge von Baumaßnahmen, bei denen sich Verkehrsbeeinträchtigungen nicht vermeiden lassen.

Um die Autofahrerinnen und Autofahrer über Staus und Störungen zu informieren und rechtzeitig, also vor den jeweiligen Autobahnkreuzen, auf die Alternativroute zu verweisen, ist seit Oktober 2018 die „Netzbeeinflussungsanlage Erfurt-Halle/Leipzig“ in Betrieb. Bereits vor drei Jahren arbeiteten hier die Thüringer und die Sachsen-Anhaltiner Autobahnkollegen zusammen, damals noch im Auftrag der Bundesländer und der jeweiligen Landesämter.

Dynamische Wegweiser

Insgesamt wurden acht „dynamische Wegweiser mit integrierten Stauinformationen“ (dWiSta) im Vorlauf der Autobahnkreuze Erfurt und Rippachtal und 34 Bluetooth-Messeinrichtungen zur Erfassung der Reisezeit installiert. Die Informationstafeln sind circa vier Meter hoch und bis zu 15,5 Meter lang. Sie sind frei programmierbar ausgeführt, d. h. die Inhalte können der jeweiligen Verkehrssituation problemlos angepasst werden. Hierfür sind die Anzeigeflächen mit bis zu 132.352 voll farbfähigen LED ausgestattet.

Die Anzeigen informieren über die aktuelle Verkehrslage und die entsprechenden Umleitungsmöglichkeiten. Die dWiSta-Anzeigen und die Bluetooth- Messstellen wurden bereits damals in die Verkehrsrechnerzentralen der beiden Bundesländer eingebunden und miteinander gekoppelt, zukünftig sollen sie auch an die Verkehrszentrale Deutschland in Frankfurt am Main weitergegeben werden.

In Ergänzung zur lokalen Verkehrsdatenerfassung über die Induktionsschleifen (Zählstellen in der Fahrbahn) wurde die Bluetooth- Reisezeitmessung innerhalb der Netzmasche aufgebaut. Dieses System beruht darauf, dass alle Bluetooth-fähigen Geräte mit einer weltweit eindeutigen Adresse ausgestattet sind, die von den Bluetooth-Messeinrichtungen wiedererkannt wird. Durch dieses Verfahren wird also eine streckenbezogene Verkehrsdatenerfassung realisiert. Die datenschutzrechtlichen Belange werden dabei durch ein zweistufiges Verschlüsselungsverfahren sichergestellt. Die Bluetooth Messeinrichtungen werden vollständig in die vorhandene Infrastruktur der Verkehrsdatenerfassung integriert.

Lohnt sich ein Umweg?

Folgt man der Alternativrote über die A 71 und die A 38, sind es gerade mal 28 Kilometer mehr, die man fährt. Schon bei einem Zeitverlust von 20 Minuten auf der A 4 und A 9 lohnt sich diese Route. Die Reisezeiten werden innerhalb der Netzmasche via Bluetooth erfasst und für Haupt- und Nebenroute fortlaufend bilanziert. Im laufenden Betrieb ist dann der Verweis auf die Route mit der jeweils kürzesten Reisezeit vorgesehen.

Hauptvorteil eines derartigen Systems ist, dass prinzipiell alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer über die dWiSta-Tafeln erreicht werden – unabhängig davon, ob ein TMC-fähiges Navigationssystem aktiviert ist oder ob der Verkehrsfunk gehört wird. Zusätzlich können geplante Maßnahmen rechtzeitig angekündigt werden. Somit ist die Netzbeeinflussungsanlage Erfurt-Halle/Leipzig ein wichtiger Baustein für das Verkehrsmanagement auf den Autobahnen der Niederlassung Ost.