Trotz extremer Bedingungen: Infrastruktur-Reform umgesetzt

Der 1. Januar 2021 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte der deutschen Autobahnen. An diesem Tag hat der Bund Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung, Verwaltung und Finanzierung der Autobahninfrastruktur übernommen. Heute zieht die Autobahn GmbH des Bundes die erste Jahresbilanz.

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21.12.21

Trotz extremer Bedingungen:

Infrastruktur-Reform umgesetzt

Der 1. Januar 2021 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte der deutschen Autobahnen. An diesem Tag hat der Bund Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung, Verwaltung und Finanzierung der Autobahninfrastruktur übernommen. Heute zieht die Autobahn GmbH des Bundes die erste Jahresbilanz.

Seit Jahresbeginn 2021 liegt die Verantwortung für die rund 13.000 Autobahnkilometer in Deutschland in der Hand des Bundes. Damit wurde nach über 70 Jahren Auftragsverwaltung der Bundesfernstraßen durch die Länder eine neue Epoche in der deutschen Autobahngeschichte eingeleitet. Dem voraus ging ein komplexer und in sehr kurzer Zeit umgesetzter Transformationsprozess.

Christine Baur-Fewson, Direktorin der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest, zeigt sich rückblickend zufrieden: „Wir haben im Südwesten rund eineinhalb Jahre vor dem Übergang mit den Vorbereitungen begonnen und die Zeit genutzt, etwa für den Personalübergang, den Datentransfer und den Aufbau von Prozessen. In unseren Verantwortungsbereich fallen rund 1050 km Autobahnen in Baden-Württemberg, in Teilen von Hessen und von Rheinland-Pfalz. Zum Start am 1. Januar 2021 waren wir trotz Corona-Bedingungen voll handlungsfähig. Alle Bauprojekte sind zuverlässig weitergelaufen. Und unsere 15 Autobahnmeistereien im Südwesten haben im letzten intensiven Winter sehr gute Arbeit geleistet. Für die VerkehrsteilnehmerInnen verlief der Wechsel vom Land zum Bund damit unbemerkt. Und so sollte es auch sein.“

Der Rückblick auf das Jahr eins der Autobahn GmbH zeigt, wo das junge Unternehmen heute steht: Die beispiellose Transformation von 16 Bundesländern auf eine Bundes-GmbH ist in allen entscheidenden Bereichen nachweisbar geglückt. Klar ist aber auch, dass an einigen Stellen noch Kärrnerarbeit erledigt werden muss. Insbesondere gilt es, an Stellschrauben zu drehen, um maximale Effizienzen zu erzeugen und die Chancen der großen Reform voll auszunutzen.

Startphase unter extremen Bedingungen

Die Corona-Pandemie, die daraus resultierende Lieferketten-Probleme und der allgemeine Fachkräftemangel begleiteten bereits die heiße Aufbauphase der GmbH. Diese extremen Rahmenbedingungen wirkten seit dem Start fortwährend auf sämtliche Aktivitäten des Unternehmens ein. In der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest lag die besondere Herausforderung darin, die Daten aus vier verschiedenen Regierungspräsidien und dem Verkehrsministerium in ein gemeinsames System zu überführen und in das neue IT-System der Autobahn GmbH zu integrieren.

Von den rund 1000 MitarbeiterInnen der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest sind rund 750 Personen vom Land übergegangen. Damit ist der Know-how-Transfer gewährleistet und die Kontinuität bei der Bearbeitung der Planungs- und Bauprojekte sichergestellt. Ziel der Niederlassung Südwest ist es jedoch, Bauprojekte in Zukunft noch schneller und effizienter planen und realisieren zu können. Deshalb sucht sie weiterhin für ihre Standorte in Stuttgart, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe und Freiburg qualifiziertes Personal, vor allem IngenieurInnen, JuristInnen und LandschaftsplanerInnen. Aktuelle Stellenangebote werden unter www.autobahn.de/karriere veröffentlicht.

Im Verlauf dieses Jahres konnte die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest folgende Verkehrsfreigaben durchführen: A 5 St. Leon-Rot & Saalbachkanal, A 8 Hohenstadt - Ulm-Nord und A 98.4 mit Herrschaftsbucktunnel. Für den Ausbau der Anschlussstelle Rottenburg an der A 81 erfolgte der Spatenstich. Auch der sechsstreifiger Ausbau der A 8 bei Pforzheim (Enztalquerung) wurde in diesem Jahr mit dem Hauptlos begonnen.

In der Kommunikation mit AmtsträgerInnen, Bürgerinitiativen, AnwohnerInnen und NutzerInnen setzt die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest auf offenen, proaktiven Austausch. Dazu gab es im ersten Jahr bereits Informationsveranstaltungen zum Leuchtturmprojekt Albaufstieg, dem sechsstreifigen Ausbau der A 8 zwischen Gruibingen und Hohenstadt sowie zur Lärmthematik an der A 5 bei Schriesheim. Um die dortige Lärmdiskussion auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, hatte die Niederlassung Südwest eine detaillierte Überprüfung der Fahrbahn und Immissionsberechnung in Auftrag gegeben und die Ergebnisse des unabhängigen Gutachters öffentlich vorgestellt.

Im Fokus stehen Naturschutz und Innovationen

Die Planung von Baumaßnahmen geht für die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest Hand in Hand mit umfassenden Naturschutzmaßnahmen. Im Vorfeld jeder Planung gehört die Begutachtung des Baugebiets zu den elementaren Voraussetzungen. Welche Pflanzen und Tiere sind dort beheimatet? Gibt es viel Wildbewegung, die mit einer Grünbrücke weiterhin ermöglicht werden muss? Stehen Arten unter Naturschutz? Die Verwendung von insektenfreundlichen Saatgutmischungen und Gehölzpflanzungen bei Aus- und Neubauvorhaben gehören zur gängigen Praxis. Zum nachhaltigen Schutz der biologischen Vielfalt ist es von entscheidender Bedeutung, die Lebensräume wildlebender Tiere und Pflanzen auf allen räumlichen Ebenen wieder besser zu verbinden. Hier leistet die Autobahn GmbH mit der „grünen Infrastruktur“ einen entscheidenden Beitrag. Naturnahe Lebensräume werden wiederhergestellt und Fließgewässer renaturiert. Zudem errichtet die Niederlassung Südwest Ersatzquartiere, um den durch eine Baumaßnahme eintretenden Verlust an Lebensraum für Tiere zu kompensieren.

Ein wesentliches Ziel der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest ist es zudem, Verkehrsflüsse durch gut geplante und erhaltene Strecken flüssig zu gestalten und mithilfe digitaler Leitsysteme Staus und CO2-Belastungen zu minimieren. Das dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern entlastet auch die AnwohnerInnen und NutzerInnen der Autobahnen. Die Stabsstelle Innovation der Niederlassung Südwest entwickelt dazu Pilotprojekte, die auf Niederlassungsebene getestet und danach ggf. auf Bundesebene von der Autobahn GmbH übernommen werden können. 2021 wurden bereits folgende Innovationspilotprojekte umgesetzt:

Qualitätsstraßenbau Autobahn Asphalt 4.0 (QAA 4.0) bei Fahrbahndeckenerneuerungenan der A 81, Anschlussstelle (AS) Ehningen, und an der A 65, Bereich AS Haßloch bis AS Neustadt Nord. QAA 4.0 bedeutet, dass der Bauprozess digitalisieren wird, um die Qualität des verbauten Asphalts zu steigern und damit die Nutzungszeit einer Autobahn bis zur Durchführung notwendiger Instandhaltungsmaßnahmen zu verlängern. Das senkt Kosten und reduziert baubedingte Behinderungen. Mit dem Einsatz autonomer Logistik und modernster Maschinensteuerung, der Verknüpfung aller prozessrelevanten Daten in einer Cloud sowie einer mobilen Vernetzung aller Geräte und Beteiligten wird eine große Verbesserung im Asphaltstraßenbau erreicht.

Neugestaltung von Park- und WC-Anlagen (PWC) zur Reduzierung von Reinigungskosten: Das Toilettenhaus an der PWC-Anlage Sommerhofen an der A 8 wurde mit Graffitikunst gestaltet. Die professionelle Wandgestaltung soll Schmierereien verhindern und damit Reinigungskosten reduzieren. Parallel dazu wird an der PWC-Anlage Höllberg, A 8, mit dem Auftrag einer Spezialbeschichtung ein anderes Konzept getestet. Diese beiden Pilotprojekte sind Bestandteil eines Konzepts der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest zur Qualitätssteigerung ihrer 79 PWC-Anlagen.

Basisinformationen zur Autobahn GmbH

Die 2018 gegründete Autobahn GmbH des Bundes verantwortet seit dem 1. Januar 2021 Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung, Finanzierung und vermögensmäßige Verwaltung der Autobahnen und Fernstraßen in Deutschland. Mit 13.000 Kilometern Autobahn ist die Gesellschaft eine der größten Infrastrukturbetreiberinnen in Deutschland. Bereits im ersten Jahr hat die Autobahn GmbH des Bundes signifikante Zukunftsprojekte für mehr Sicherheit, Service und Baubeschleunigung gestartet. Dazu gehören insbesondere ein neues System zur Vernetzung von Infrastruktur und Fahrzeugen (C-ITS), die Eröffnung einer Pilotanlage für moderne Rastplätze (P-WC Pilotanlage Ostseeblick) und der Start einer neuen App mit Informationen rund um die Autobahn aus einer Hand.

Die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest verantwortet rund 1.050 Autobahnkilometer in Baden-Württemberg, in Teilen von Hessen und von Rheinland-Pfalz. Ihr Sitz befindet sich in Stuttgart-Obertürkheim, hinzu kommen fünf Außenstellen in Stuttgart-Vaihingen, Karlsruhe, Freiburg, Heilbronn und Heidelberg, eine Verkehrs- und Tunnelleitzentrale, ein Fachcenter für Informationstechnik und -sicherheit sowie 15 Autobahnmeistereien. Insgesamt gehören rund 1000 MitarbeiterInnen zum Team der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest.

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