Tunnelwäsche 2.0

Ein besonderer Tag für die Autobahn GmbH und die Firmen Beutelhauser und Mulag: Am 08.09.2021 konnte nach zwei Jahren Bearbeitungszeit ein neues Tunnelwaschfahrzeug übergeben werden. Und das kann sich sehen lassen.

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Die Schlüsselübergabe

Zu einer feierlichen Übergabe des Tunnelwaschfahrzeugs hat die Firma Beutelhauser eingeladen. Diese hat das Fahrzeug nach den Wünschen des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr (TLBV) und der Niederlassung Ost der Autobahn GmbH konzipiert. Auch die Firma Mulag war vor Ort, um vor allem die technischen Daten des Fahrzeuges vorzustellen. Sie war für den Um- und Anbau des LKW zuständig. Viele Stellen waren an dem Projekt „Tunnelwaschfahrzeug“ beteiligt. Andreas Trenkel, Außenstellenleiter in Erfurt, bringt es auf den Punkt: „Das Kind hat mehrere Eltern. Vom TLBV wurde es in Auftrag gegeben und es freut uns, dass wir das Projekt auch als Autobahn GmbH weiter vorantreiben konnten und die Beschaffung ermöglicht haben. Deswegen stehen wir heute hier. Das ist für uns ein besonderer Tag.“ Auch für die Firmen Beutelhauser und Mulag eine nicht alltägliche Übergabe, denn: „Dieses Fahrzeug gibt es in dieser Ausführung bisher zur zwei Mal, eines davon ist nun unterwegs für die Niederlassung Ost der Autobahn GmbH“, berichtet Holger Wössner, einer der Geschäftsführer der Firma Mulag.

Das Tunnelwaschgerät 600-L

Das TWG 600-L sorgt bei den Kolleginnen und Kollegen vom Betriebsdienst bei der Übergabe in Weimar für helle Begeisterung. Dieses Tunnelwaschgerät wurde speziell für die Bedürfnisse der Autobahntunnel entwickelt und besticht durch einige Vorteile gegenüber den bisher eingesetzten Unimogs. Die Grundlage des TWG bildet ein Mercedes-Benz LKW der Reihe Arocs mit satten 428 PS und einem zulässigen Gesamtgewicht von 28 Tonnen. Die braucht es auch für ein Wasserfass mit einem Gesamtvolumen von 13.500 Litern. Das Fahrzeug besitzt für die Reinigung der Tunnel zwei Bürsten. Mit einem Durchmesser von 1,0 Meter und einer Breite von 1,80 Metern können somit große Flächen gereinigt werden. Bedient werden die Ausleger von zwei Kolleginnen oder Kollegen. Während die Frontbürste durch die Fahrerin oder den Fahrer bedient wird, konzentriert sich die mitfahrende Person auf den hinteren Auslegearm – und dieser hat einiges zu bieten. Mit einer Reichweite von sechs Metern kommt der Ausleger nicht nur in jeden Winkel des Tunnels, zusätzlich ist der Arm um einen Meter teleskopierbar und kann sogar auf der rechten und linken Seite eingesetzt werden. Das Fahrzeug erkennt man sofort, denn auch die Fahrerkabine des LKW wurde angepasst und ist deutlich markanter: Mit einem Anbau im hinteren Bereich mit großen Sichtfenstern ist sichergestellt, dass alles im Blick bleibt.

Mit dem großen Wassertank und ca. 300 Umdrehungen in der Minute können die Bürsten bis zu 6000 qm² (entspricht ca. 1.700 Meter Tunnel) reinigen und liefern dabei das gründlichste Ergebnis. Eine Fläche bis zu 10.000 qm² erreicht man sogar, wenn anstatt der Bürsten der mitgelieferte Hochdruckbalken verwendet wird. Bei diesem Tunnelwaschgerät machen die Details den Unterschied: Einen Wassertank aus GFK, der besonders leicht und nicht rostend ist, Ultraschallsensoren in den Bürsten, damit diese den Abstand zu Wänden und Decke konstant halten, eine seitliche Hochdruckhandlanze mit einem 25 Meter langen Schlauch zur manuellen Reinigung, mehrere Werkzeugboxen, in denen die Zusatzausrüstung des Fahrzeuges transportiert werden kann und nicht zu vergessen eine LED-Tafel am Heck des Fahrzeuges mit LED-Rundumleuchten.

Erste Testfahrt

Auch wenn die Tunnelwasch-Saison für dieses Jahr schon vorbei ist: Wie das neue Tunnelwaschfahrzeug funktioniert, darauf sind natürlich alle gespannt. Deswegen ging es nur einen Tag nach der Schlüsselübergabe in eine aufgrund von Bauarbeiten gesperrte Tunnelröhre des Tunnels Alte Burg zur ersten großen Testfahrt. Vorher gab es eine technische Einweisung durch die Firma Mulag auf dem Gelände der Autobahnmeisterei Zella-Mehlis. „Die bisherige Technik ist mittlerweile 20 Jahre alt und verschlissen, deswegen brauchten wir auch dringend etwas Neues“, berichtet Steffen Meier, Geschäftsbereichsleiter Tunnel und Telematik der Außenstelle Erfurt. „Dieses neue Fahrzeug bringt für uns gleich mehrere Vorteile. Bisher brauchten wir zur Reinigung drei Unimogs, mit denen lediglich die Seitenwände bis zu einer Höhe von 4 Metern gereinigt werden konnten. Was also drei Unimogs bisher geleistet haben, schafft das neue Tunnelwaschgerät nun allein. Es kommt an die Seitenwände, die Decke und auch in die Nischen der Tunnel“, so Steffen Meier weiter. Christoph Wolf, Geschäftsbereichsleiter Betrieb und Verkehr der Außenstelle Erfurt, ergänzt: „Nicht nur die Höhe des Auslegers unterscheidet sich. Im Vergleich zu den Unimogs können wir auch die 3 ½-fache Menge an Wasser transportieren.“ Und einen ganz entscheidenden, weiteren Vorteil hat das Fahrzeug: „Die Unimogs kamen bisher nicht so nah ran an die Wand eines Tunnels. Somit musste immer die ganze Röhre gesperrt werden, damit die Unimogs alles reinigen konnten. Jetzt reicht ein gesperrter Streifen und wir können unter laufendem Verkehr arbeiten. So hat es einen echten Mehrwert für die Autofahrerinnen und Autofahrer“, erklärt er.

Nachdem die Kolleginnen und Kollegen der AM Zella-Mehlis ausreichend in das Fahrzeug eingewiesen wurden, geht es mit einem Großaufgebot in den Tunnel – alle wollen sehen, wie das Fahrzeug funktioniert. Und alle zeigen sich begeistert. „Die Rückmeldungen bisher sind wirklich positiv“, berichtet Jörg Wiese, der die Autobahnmeisterei Zella-Mehlis leitet. Zukünftig soll es sogar ein eigenständiges Tunnel-Team in der AM Zella-Mehlis geben, welches dann auch für die Reinigung der Tunnel zuständig ist.

Tunnelwäsche 2.0 also!

 

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