Unfallkommission sorgt für noch mehr Sicherheit auf Autobahnen

Eine Unfallkommission (UK) hat unter Leitung der zuständigen Straßenverkehrsbehörde den gesetzlichen Auftrag, Verkehrsunfälle zu analysieren, Unfallhäufungsstellen (UHS) zu erkennen, sie zu bewerten und zu reduzieren. Ziel ist es, für noch mehr Sicherheit auf Autobahnen zu sorgen.

Die Unfallkommission trifft sich an einer Autobahnausfahrt und begutachtet eine Unfallhäufungsstelle.

Osnabrück. „Warum kommt an dieser Stelle vermehrt zu Unfällen?“, fragt Alexandra Marketon von der Straßenverkehrsbehörde bei der Autobahn Westfalen in die Runde. Dies herauszufinden ist Aufgabe der so genannten Unfallkommission (UK). Sie hat unter Leitung der zuständigen Straßenverkehrsbehörde den gesetzlichen Auftrag, Verkehrsunfälle zu analysieren, Unfallhäufungsstellen (UHS) zu erkennen, sie zu bewerten und zu reduzieren.

In Bezug auf die Fahrleistung gelten Autobahnen als die sichersten Straßen Deutschlands. Die Zahl der Getöteten ist 2023 um neun Prozent zurückgegangen, so eine Prognose zur Entwicklung von Unfallzahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) von Mitte Dezember des vergangenen Jahres. Dennoch ist jeder Unfall einer zu viel und muss aufgearbeitet werden.

Marketon leitet die Unfallkommissionen, die für die rund 270 niedersächsischen Autobahnkilometer im Gebiet der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH zuständig sind. Zu den regelmäßigen Sitzungen lädt sie Fachleute der Polizeikommissariate, der Straßenbaubehörden sowie der verantwortlichen Autobahnmeistereien ein. „Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten ist dabei enorm wichtig, denn nur durch eine gemeinsame Betrachtung und Bewertung der Lage durch die Fachleute vor Ort können wir passende Maßnahmen anordnen“, erklärt Marketon.  

In der Regel tagt die Unfallkommission einmal pro Jahr, bei Bedarf kommt sie aber auch häufiger zusammen. In den mehrstündigen Sitzungen wird jede einzelne Unfallhäufungsstelle des vergangenen Jahres detailliert durchgesprochen. Wann ein Ort zu einer Unfallhäufungsstelle wird, ist klar definiert. Je nach Schwere des Unfalls werden dem Ort des Unglücks Punkte zugeordnet. Werden 15 Punkte in drei Jahren erreicht, spricht man von einer Unfallhäufungsstelle. Betrachtet werden dabei ausschließlich Fälle, bei denen Menschen verletzt werden.

Gezielte Analysen und Auswertungen mit moderner Software
Alle Unfalldaten werden von der Polizei laufend in einer Elektronischen Unfalltypensteckkarte (EUSkA) zusammengeführt. Sie dient der Unfallkommission als Grundlage und ist darüber hinaus geeignet, um bundesweite Unfallstatistiken und gezielte Sonderauswertungen zu bestimmten Verkehrssicherheitsthemen zu generieren.

Die Datenbank hält viele verschiedene Informationen über den Unfall vor. Sie reichen vom Wochentag, der Uhrzeit, den Lichtverhältnissen, dem Straßenzustand bis hin zum Unfalltyp, der Unfallkategorie oder den Unfallumständen.

Die Kommission kann anhand des Datenmaterials zum Beispiel sehen, welcher Auslöser zum jeweiligen Unfall geführt hat, wie viele Personen verletzt wurden und wie schwerwiegend die Verletzungen waren oder welche weiteren Umstände ursächlich gewesen sein könnten. Dazu zählen beispielsweise Alkohol am Steuer, unangepasste Geschwindigkeit oder Überholfehler. „Wir nutzen neben den elektronischen Daten auch Videomaterial vom betroffenen Streckenabschnitt. Dennoch ist es in vielen Fällen hilfreich, sich zusätzlich bei einem Vor-Ort-Termin einen Eindruck von der Situation zu machen“, unterstreicht Marketon. Gemeinsam wird ausgelotet, welche verkehrsregelnden oder baulichen Veränderungen wie zusätzliche Verkehrsschilder, neue Markierungen oder auch Geschwindigkeitsbegrenzungen sinnvoll und zugleich auch zulässig sind und sich schnellstmöglich umsetzen lassen.

Hierfür ist der Straßenbaulastträger zuständig. Für die Autobahnen ist das die Autobahn GmbH mit der jeweiligen Niederlassung und der entsprechenden Außenstelle in der Region. In Grenzbereichen, etwa bei Auf- und Ausfahrten, können auch Städte, Landkreise oder Gemeinden betroffen sein. Die Aufgabe der Polizei ist es, für die Überwachung der Straßenverkehrsordnung (StVO) zu sorgen. Die Autobahnmeistereien unterstützen bei der Umsetzung der Beschlüsse.

Alle Beteiligten sind verpflichtet, die Wirkung der Maßnahmen zu überprüfen und in den kommenden Sitzungen darüber zu berichten. Konnte eine Unfallhäufungsstelle erfolgreich entschärft werden, wird der Fall „geschlossen“.  

Hintergrund:

  • Seit 2022 wurden von der Niederlassung Westfalen insgesamt 14 Unfallkommissionssitzungen (UK) durchgeführt. Weitere sind für das Jahr 2024 in Arbeit.
  • Die UK finden in den für die Autobahnabschnitte zuständigen Polizeipräsidien (PP) statt. Dazu zählen auf nordrheinwestfälischem Gebiet der Niederlassung Westfalen die PP Dortmund (aufgrund der räumlichen Größe gibt es hier zwei UK), Münster und Bielefeld. Im niedersächsischen Teil werden sie in den Polizeiinspektionen (PI) Osnabrück und Delmenhorst sowie Emsland-Grafschaft-Bentheim und Leer-Emden durchgeführt. Auf hessischem Gebiet ist die Autobahnpolizei Mittelhessen in Butzbach zuständig. Grundlage für die Durchführung der UK sind die bestehenden Kriterien der jeweiligen Landeserlasse.
  • Die Autobahn GmbH plant eine bundesweit einheitliche Richtlinie, die die UK-Regelungen nach Landeserlassen ablöst.

Kontakt: Christine Sabisch, Telefon: 0541/939397-107, christine.sabisch[at]autobahn[dot]de

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