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Im Einsatz mit der Brücken-GSG9: Frank Zerwas hat Adrenalin im Blut

Sein Job zählt zu den abgefahrensten Jobs bei der Autobahn. Der erfahrene Diplom-Bauingenieur Frank Zerwas arbeitet als Bauwerksprüfer in der Außenstelle Montabaur und nimmt in Rheinland-Pfalz die rund 1200 Brückenbauwerke sowie Schilderbrücken, Trogbauwerke und Tunnel genau unter die Lupe, prüft ihre Standfestigkeit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Damit liegt die Sicherheit von Tausenden Verkehrsteilnehmern in seinen Händen. Wir haben mit dem erfahrenen Team den Praxistest gemacht.

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Sein Job zählt zu den abgefahrensten Jobs bei der Autobahn. Bei Wind und Wetter arbeitet er jeden Tag an der frischen Luft. Meist in schwindelerregenden Höhen. Die Arbeit fordert Geist und Körper. Durchtrainiert und sportlich sollte man sein. Ob es gefährlich ist, was er macht? Frank Zerwas schüttelt den Kopf. „Nein, es ist wie immer im Leben. Man muss den Dingen mit dem nötigen Respekt begegnen“, sagt er. Keine Frage, der 57-Jährige hat Biss. „In meinem Job darf man nicht aus Zucker sein“, sagt er nüchtern. Was der gebürtige Koblenzer bei der Autobahn macht? Der erfahrene Diplom-Bauingenieur (FH) arbeitet als Bauwerksprüfer bei der Autobahn GmbH und nimmt mit seinem Team im Bereich der Außenstelle Montabaur und zusätzlich im rheinland-pfälzischen Bereich der Außenstelle Wiesbaden rund 1200 Brückenbauwerke sowie Schilderbrücken, Trogbauwerke und Tunnel genau unter die Lupe. Das Team prüft die Standfestigkeit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit der Ingenieurbauwerke. Damit liegt die Sicherheit von Tausenden von Verkehrsteilnehmern in den Händen von Frank Zerwas und seinem Team. „Wir sind uns unserer großen Verantwortung als Brücken- und Bauwerks-TÜV bewusst. Ich fahre nur von einer Brücke weg, wenn ich ein gutes Gefühl habe“, sagt der Bauingenieur ohne zu zögern. Insider nennen die Bauwerksprüfer auch die Brücken-GSG 9. Doch dazu später. Wir haben mit dem erfahrenen Team den Praxistest gemacht.

Bevor die Arbeiten beginnen können, sperren die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Emmelshausen den Standstreifen ab. Hier wird das 40 Tonnen schwere Brückenuntersichtgerät abgestellt. Der High-Tech-Gigant fährt mit Hilfe von Kameras und Sensoren autonom die gesamte Brücke entlang.

Heute steht die Prüfung der Nahebrücke an der A 61 bei Dietersheim an. Hier muss vor der Endabnahme die neu angebrachte Entwässerungseinrichtung der Brücke begutachtet werden. Dabei sollen sämtliche Straßenabläufe sowie Quer-, Längs- und Fallleitungen des immerhin 521 Meter langen und 17 Meter hohen Bauwerkes untersucht werden. Da alle Rohre außen unter der 1963 errichteten Plattenbalkenbrücke verlaufen, ist ein Brückenuntersichtgerät mit im Einsatz. Der 40-Tonner steht auf dem abgesperrten Seitenstreifen der A 61. Es herrscht reger Verkehr. Mehr als 58 000 Fahrzeuge passieren die Brücke täglich, darunter etwa ein Fünftel Schwerlastverkehr. Damit trotz Absperrung kein Lkw oder Pkw auf das rund 1 Million Euro teure Spezialgerät auffährt, ist ein paar Meter davor mit ausreichendem Sicherheitsabstand ein schwerer Lkw der Autobahnmeisterei Emmelshausen abgestellt – sozusagen als Rammbock.

Während sich das Vier-Mann-Team des Brückenprüftrupps samt Arbeitsausstattung zum Einsatzort bewegt, wird das Führerhaus des Untersichtgeräts  abgekoppelt. Der High-Tech-Gigant fährt gleich mit Hilfe von Kameras und Sensoren autonom die gesamte Brückenlänge entlang. Frank Reinhardt von der Firma WEMO-tec aus Eichenzell steht neben dem Koloss und steuert das Untersichtgerät mit Hilfe eines Controllers mit Video-Display. Hydraulisch fährt nun ein riesiger Stahlturm aus, der kopfüber nach rechts über das Brückengeländer kippt und seine Fahrt senkrecht eine Etage tiefer bis unter die Brücke fortsetzt. Am Turm ist ein langer, teleskopierbarer Steg befestigt, der sich auf eine Länge von 18 Meter ausfahren kann und im Metallkorb maximal acht Personen aufnehmen darf.

Über eine schmale Leiter im Turm klettern Frank Zerwas, Frank Simon, Thorsten Kröll und Christian Maximini von der Brücke hinunter in den Metallkorb. Die Arbeiten können beginnen. Akribisch prüfen die Männer jetzt Entwässerungsleitungen, Dichtringe und Verankerungen. Den Experten entgeht nichts. Hier und da müssen Betonabplatzer entfernt werden.

Über eine schmale Leiter im Turm kraxeln Frank Zerwas, Frank Simon, Thorsten Kröll und Christian Maximini von der Brücke hinunter in den Korb. Es kann losgehen. Der Korb fährt langsam seitlich unter der Brücke entlang. Akribisch nehmen Frank Zerwas und sein Team die Leitungen unter die Lupe. Zollstock, Taschenlampe, Wasserwaage, Hammer und Zangen mit dabei. Ob Kontermuttern, Dichtringe, Leitungsgefälle, Verankerungen oder Zwischenverbindungen - einfach alles wird genau geprüft. Frank Zerwas macht sich auf einer Metallkladde Notizen, hält Mängel mit dem Fotoapparat fest, kreist mit roter Kreide Abplatzer auf dem grauen Beton ein. Die Stimmung ist bestens. Bei aller notwendigen Konzentration werden Späße gemacht und Sprüche geklopft. Die Stimmung ist familiär. Ab und an stoßen die Experten auf typische Brückenschäden, vor allem Betonabplatzungen: „Die Betondicke ist hier viel zu gering, teilweise nur zwei Zentimeter. Schnell bilden sich im Beton Risse. Wasser dringt ein, und die Bewährung rostet. Durch die Volumenvergrößerung platzt der Beton ab“, erklärt Zerwas. „Da müssen wir ran, das gefällt mir nicht“, sagt er zu seinen Kollegen. „Bevor sich die Platten unkontrolliert lösen und auf die Straße fallen, machen wir das lieber jetzt.“ Mit rhythmischen Schlägen hämmert Zerwas wie ein Kickboxer den brüchigen Beton ab. Da ist ganze Körperkraft gefragt.  

„Ich würde nie etwas anderes machen wollen. Der Job ist vielseitig. Es wird nicht langweilig. Jeden Tag woanders im Einsatz. Jedes Bauwerk ist ein Unikat, man lernt ständig dazu und kommt mit vielen Menschen zusammen."

Bauwerksprüfer Frank Zerwas, integrierte Außenstelle Montabaur

An dem eiskalten, aber sonnigen Märzmorgen schwebt das Team über die darunter liegende B 48, über Bahngleise und die dunkelgrüne Nahe hinweg. Fast schon idyllisch.  Hoch über dem Boden hat Frank Zerwas seinen Traumjob gefunden. „Ich würde nie etwas anderes machen wollen. Der Job ist vielseitig. Es wird nicht langweilig. Jeden Tag woanders im Einsatz. Jedes Bauwerk ist ein Unikat, man lernt ständig dazu und kommt mit vielen Menschen zusammen. Vor allem müssen wir körperlich fit sein. Wenn du einmal 50 Meter in einem Brückenpfeiler die Leiter hoch- und runtergeklettert bist, dann weißt du, was du gemacht hast“, sagt er und lächelt. Mit Kraftausdauertraining, Biken und Spaziergängen mit den Hunden hält sich der Ingenieur fit. So fit, dass er noch eine Ausbildung zum Industriekletterer macht.

Sein Weg zum Bauwerksprüfer? Nach der Schule hat der „Kowelenzer“ zuerst eine Ausbildung zum Bauzeichner und Straßenbauer gemacht und dann ein Bauingenieurstudium an der Hochschule Koblenz draufgesattelt. Viele Jahre hat Zerwas Berufserfahrung als Bauleiter in der Privatwirtschaft gesammelt, bis er im Jahr 2010 zum Landesbetrieb Mobilität (LBM) nach Cochem kam und schließlich als Bauwerksprüfer zur LBM-Zentrale in Koblenz wechselte. Ab 2020 arbeitete der Ingenieur zunächst im Aufbauteam der Niederlassung West mit, heute ist er Teamleiter Bauwerksprüfung in der Außenstelle Montabaur. „Wer den Job machen möchte, braucht grundsätzlich fünf Jahre Berufserfahrung im konstruktiven Ingenieurbau und muss ein Bauwerksprüfer-Zertifikat ablegen, das alle fünf Jahre aufgefrischt wird“, erklärt der 57-Jährige.

„Nervenkitzel und Adrenalin sind natürlich mit dabei."

Frank Zerwas über die Einsätze seiner "Brücken-GSG9"

Spezialeinsatz an der 160 Meter hohen Hochmoselbrücke: In atemberaubender Höhe hat Frank Zerwas hier mit seinen Kollegen unlängst die Brückenpfeiler geprüft.

Keine Frage: Brückenprüfer sind hochqualifizierte Ingenieure mit reichlich Berufserfahrung und guter Kondition. Sie sie sind die Outdoor-Freaks der Ingenieurwelt, Outlaws im besten Sinne. Irgendwie ganz besonders. „Nervenkitzel und Adrenalin sind natürlich mit dabei“, meint Frank Zerwas. Brücken-GSG-9 ist ein treffender Ausdruck. Schließlich geht es immer wieder um Spezialeinsätze, die nach gründlicher Vorbereitung, mit hochmoderner Ausstattung und einem abschließenden „Mission Accomplished“ erfolgreich durchgeführt werden. Denn bei einigen Brückenbauwerken helfen Steiger, Leitern oder Brückenuntersichtgeräte zur Wartung nicht weiter – einfach,  weil sie viel zu hoch sind. Bestes Beispiel: die rund 160 Meter hohe Hochmoselbrücke.  Wie ein Bergsteiger hat sich Frank Zerwas hier unlängst mit seinen Kollegen in atemberaubender Höhe, gut gesichert, abgeseilt und die Brückenpfeiler geprüft. Gut neun Wochen hat das gedauert. Ziemlich abgefahren der Job bei der Autobahn.

Interesse? Informieren Sie sich über den Job auf der Karriere-Website der Autobahn GmbH.