Hamm. Die Autobahn Westfalen hat in diesem Jahr Grund zum Feiern: Seit 70 Jahren ist der Verwaltungssitz für den Betrieb und Erhalt der westfälischen Autobahnen am Standort Hamm angesiedelt. Als am 1. April 1956 das Landesstraßenbauamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe den Sitz von Kamen nach Hamm verlegte, bekam dieser den neuen Namen „Autobahnamt Hamm“. Wo heute am Hauptsitz der Niederlassung der Betrieb von rund 1400 Kilometern Autobahn organisiert wird, waren es damals gerade einmal 186 Kilometer. Mit der A2 als Ost-West-Verbindung stand in Westfalen im Jahr 1956 zunächst nur eine einzige Autobahn mit den Autobahnmeistereien Recklinghausen, Oelde und Brackwede zur Verfügung.
Mit dem Fahrrad über die Autobahn
Der Verkehr war mit den heutigen Verhältnissen mit teils über 100.000 Fahrzeugen pro Tag an einzelnen Messstellen nicht ansatzweise vergleichbar. Straßenwärter fuhren mitunter mit Fahrrädern über die Autobahn, um zu ihren Einsatzorten für die Arbeiten entlang der Strecke zu gelangen. Doch das sollte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten rapide ändern. Mit dem Anstieg der Anzahl der Autos in Deutschland wurde auch das Netz zügig ausgebaut, sodass die Zahl der Streckenkilometer im Autobahnamt Hamm schnell zunahm.
Kamener Kreuz ist erster Autobahnknotenpunkt in Westfalen
Nur wenige Monate nach dessen Gründung hat der damalige Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm mit dem Kamener Kreuz Deutschlands zweitältestes Autobahnkreuz in Kleeblattform in einer feierlichen Zeremonie für den Verkehr geöffnet. Zeitgleich wurde der erste kurze Abschnitt der A1 in Westfalen zwischen der Behelfsanschlussstelle Kamen-Nord und Kamen-Süd freigegeben. 1957 nahm die Autobahnmeisterei in Kamen ihren Betrieb in dem neuen Abschnitt auf. In den folgenden rund sechs Jahren wuchs die A1 zwischen Kamener Kreuz und Leverkusener Kreuz um rund 50 Kilometer, bis 1965 folgte der Bau des Abschnitts nördlich des Kamener Kreuzes bis Münster-Süd sowie die Gründung der Autobahnmeistereien Hagen und Münster. Damit war der Grundstein für ein Jahrzehnt des Autobahnbaus gelegt.
Mit dem Bau weiterer Abschnitte der heutigen A1 sowie der A30, A42, A43, A44, A45, A46 und A445 wurde bis 1975 in Westfalen bereits ein Autobahnnetz von 638 Kilometern erreicht. In Lengerich, Freudenberg, Lüdenscheid, Löhne, Wünnenberg und Werl entstanden weitere Autobahnmeistereien, deren Organisation weiterhin zu großen Teilen aus Hamm gesteuert wurde. Die Auswirkungen des parallelen Baus verschiedener Autobahnen sind heute für jeden sichtbar: Zahlreiche Brücken, die damals gebaut wurden, müssen heute nahezu zeitgleich durch Neubauten ersetzt oder zur Verlängerung ihrer Nutzungsdauer verstärkt werden.
Standort Hamm bleibt trotz Wechseln in der Zuständigkeit
In den folgenden Jahrzehnten kamen zwar in Westfalen nach und nach immer mehr Autobahnkilometer dazu, doch der Standort Hamm blieb aufgrund seiner strategisch günstigen Lage zur A1 und A2 weiterhin die zentrale Stelle für die westfälische Autobahn-Verwaltung. Dies änderte sich auch nicht, als der Landesbetrieb Straßenbau NRW Anfang der 2000er-Jahre die Aufgaben des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe übernahm. Lediglich der Name wurde angepasst: Aus dem Autobahnamt Hamm wurde die Autobahnniederlassung Hamm.
Auch mit der Gründung der Autobahn GmbH blieb das Unternehmen mit der Niederlassung Westfalen dem Standort treu. Mittlerweile arbeiten rund 350 Mitarbeiter an drei verschiedenen Bürostandorten in Hamm. Die Stadt bleibt auch in Zukunft der zentrale Ort für den Sitz der Niederlassung Westfalen, allerdings wird gerade am nächsten Kapitel der traditionsreichen Geschichte des Standorts geschrieben: Voraussichtlich im ersten Quartal 2027 werden alle in Hamm tätigen Mitarbeitenden in ein gemeinsames Gebäude im Hammer Süden ziehen – und noch enger für die Planung, den Bau und den Betrieb der Autobahnen im Netz der Niederlassung Westfalen zusammenrücken.