Deeskalationstraining bei der Autobahn Westfalen – „Eure Sicherheit ist das Wichtigste“

Der Ton wird rauer: Immer häufiger geraten Mitarbeitende der Autobahn Westfalen in schwierige und mitunter bedrohliche Situationen.


Hamm. Besonders Straßenwärterinnen und Straßenwärter erleben in ihrem Arbeitsalltag zunehmend kritische Momente. Aus fahrenden Autos fliegen Dosen und Flaschen, Absperrungen werden ignoriert oder sogar beiseite geräumt. Beschimpfungen und Drohungen gehören vielerorts zum Alltag. Um besser auf solche Situationen vorbereitet zu sein, nehmen die Kolleginnen und Kollegen nun an Deeskalationstrainings teil. Dort lernen sie, in brenzligen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren und sich selbst zu schützen.

Nils Braun von der Autobahnmeisterei Ehringshausen kennt diese Erfahrungen nur zu gut. „Ich wurde schon einmal angefasst und weggeschubst, als ich nach einem Unfall eine Absperrung aufbauen wollte“, berichtet er. Dreimal habe er Anzeige erstattet – jedes Mal sei das Verfahren eingestellt worden. „Das macht natürlich wütend. Wir haben keine Handhabe gegen solche Menschen“, sagt der Kolonnenführer. Auch Helmut Haring von der Autobahnmeisterei Hagen hat Situationen erlebt, die ratlos machen. „Wir waren auf einem Parkplatz mit Reinigungsarbeiten beschäftigt, als ein Mann anhielt, ausstieg und zwei große blaue Säcke mit Tapetenresten in den Mülleimer warf“, erzählt er. Als Haring ihn freundlich darauf hinwies, dass Renovierungsabfälle dort nicht entsorgt werden dürfen, wurde er beschimpft – und anschließend schlicht ignoriert.

Doch nicht nur im Betriebsdienst kommt es zu Grenzüberschreitungen. Auch Mitarbeitende in den Außenstellen sind betroffen – so wie Jacek Zydek aus der Außenstelle Hagen, der im Bereich Grunderwerb tätig ist. „Bei Verhandlungen sind Klienten schon mehrfach unverschämt geworden, vor allem wenn es um die Höhe der Entschädigungen geht“, berichtet er. Inzwischen fahren die Mitarbeitenden aus dem Grunderwerb nur noch in Begleitung zu Terminen. „Ich kenne die Menschen ja nicht – wer weiß, was mich allein erwartet“, sagt er. Die Verunsicherung ist spürbar. Der Frust über den zunehmend rauen Umgangston sitzt bei vielen Beschäftigten tief. Manche haben sich mit der Situation arrangiert, andere reagieren mit Resignation. „Mir ist das mittlerweile egal – man stumpft irgendwann ab“, sagt ein Kollege aus dem Betriebsdienst. Gleichzeitig sind viele wütend und frustriert und wissen nicht, wie sie mit solchen Erfahrungen umgehen sollen.

 

Hier setzen die Deeskalationstrainings an. Dozent Eduard Weil vermittelt konkrete Strategien für den Umgang mit aggressiven Situationen. Erlernt wurde in Rollenspielen, wie man sich mit klarer und aufrechter Körperhaltung positionieren und deeskalierend wirken kann. Außerdem wurden Selbstverteidigungsgriffe eingeübt. Weils wichtigster Rat: „Eure Sicherheit steht an erster Stelle.“ In kritischen Momenten gelte es, Distanz zu schaffen und Konfrontationen konsequent zu vermeiden. Ebenso entscheidend sei die eigene innere Haltung: „Sagen Sie sich: Ich handle professionell – und die Angriffe sind nicht persönlich gemeint.“ Wer diese Haltung verinnerliche, könne sich besser abgrenzen. „Wir können keine Gesetze ändern und niemanden bestrafen. Wir sind keine Polizei. Aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen“, so Weil. Ziel sei es, die Belastung zu reduzieren, bevor Frust und Verzweiflung zu groß werden. Am Ende zogen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein positives Fazit des Trainings. „Ich habe heute viel gelernt und werde versuchen, mir eine professionelle Haltung zuzulegen, um Wut und Ärger nicht so nah an mich rankommen zu lassen“, so Helmut Haring abschließend. 

 

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