Hilden (Autobahn GmbH). Als Ende Januar 2025 die vorbereitenden Arbeiten für den Ersatzneubau des, teilweise aus dem Jahre 1936 stammenden, Brückenbauwerks "In den Birken" auf der A3 begannen, blickten die Verantwortlichen mit Spannung auf das Projekt. Denn gleich mehrere Besonderheiten hoben es aus dem Gros der Projekte heraus:
- Es besteht aus einer Gesamtvergabe aller Leistungen (Planung und Bauausführung) an eine Baufirma, um im engen Monitoring zu entdecken, ob es Verbesserungspotentiale für die Autobahn GmbH gibt bzw. zeitliche Einsparpotenziale.
- Zudem wird der Überbau mit direkt befahrbaren Modulplatten (Beton-Fertigteilen) ohne Abdichtung und Asphalt ausgeführt. Durch die Vorfertigung und die schnelle Montage wird die Bauzeit auf der Baustelle verkürzt und die Eingriffe in den Verkehr verringert.
- Das Projekt wird modellbasiert mit der digitalen Arbeitsweise "BIM" abgewickelt. Durch die zentrale Datenhaltung und die modellbasierte Planung strebt man nicht nur eine vereinfachte Kommunikation und Verringerung von Redundanzen, sondern auch weniger außerplanmäßige Ausführungsänderungen an.
- Die vier Teilbauwerke des Ersatzneubaus werden in zwölf Bauphasen im Zeitraum von Winter 2025 bis Mitte 2028 unter Erhalt aller Verkehrsbeziehungen hergestellt. Aufgrund der Nähe zum Autobahnkreuz Hilden ist dies mit Auswirkungen auf elf Fahrspuren keine einfache Aufgabe. Insgesamt sechs durchgehende Fahrstreifen und fünf Rampenfahrstreifen sind im direkten Einflussbereich.
Erstes Etappenziel ist erreicht
Nun wurde an dem Bauwerk das erste Etappenziel erreicht: Die Modulmontage des Überbaus in Bauphase 1 wurde planmäßig umgesetzt. Innerhalb von einer Woche wurden insgesamt zehn Module mit einem Einzelgewicht von jeweils rund 50 Tonnen eingehoben, millimetergenau ausgerichtet und mittels Vergussbeton monolithisch miteinander und mit den Unterbauten verbunden.
Besonders wichtig beim Einhub war die korrekte Lage und Ausrichtung der ersten Modulplatte. Nachdem die Platte genau positioniert war, wurde sie am Unterbau fixiert. Alle weiteren Module wurden daneben abgesetzt und mittels Pressen an die erste Modulplatte herangezogen. Zum Abschluss der ersten Bauphase sind nur noch die Erd‑ und Straßenbauarbeiten sowie weitere Ausstattungsmaßnahmen, darunter der Lückenschluss der Lärmschutzwand erforderlich. Danach wird der Verkehr für die nächste Bauphase umgelegt und kann im Westen schon über den neuen Überbau fahren.
In Segmenten zum Erfolg: Schneller Brückenbau mit Betonfertigteilmodulen
Bereits 2019 wurden auf der A3 bei Emmerich erste Erfahrungen mit Modulbrücken bei dem Ersatzneubau des Überführungsbauwerks "Speelbergerstraße" gesammelt. Mit dem Bauwerk "In den Birken" erweitert die Außenstelle Krefeld den Erfahrungsschatz zu dieser Sonderbauweise. Das vorliegende Bauwerk ist im Gegensatz zu dem Ersatzneubau aus 2019 eine Brücke im Zuge einer Autobahn. Das bedeutet, die Autobahn liegt auf der Brücke, sodass diese dem Verkehr der A3 standhalten muss.
Die Modulbrücke verzichtet auf die standardmäßige Brückenabdichtung und den Asphaltbelag, wodurch die Betonoberfläche direkt befahren wird. Damit die Fahrbahn trotzdem eine ausreichende Griffigkeit aufweist, wird die Fahrbahnplatte vor der Verkehrsfreigabe "gegrindet" (aufgeraut). Um die Rauigkeitsentwicklung dieser neuen Bauweise zu dokumentieren wird ein regelmäßiges Monitoring der Fahrbahnoberfläche erfolgen.
Die eingesetzten Modulplatten werden aus hochfestem Beton C60/75 in einem Fertigteilwerk bei Nürnberg hergestellt. Nach dem ersten Einsatz der Modulplatten in Emmerich hat die Baufirma für die "direkt befahrene Fahrbahnplatte aus zusammengespannten Fertigteilplatten für Modulbrücken" eine Allgemeine Bauartgenehmigung beim Deutschen Institut für Bautechnik beantragt, sodass - trotz der Sonderbauweise - keine Zustimmung im Einzelfall für dieses Projekt erforderlich war.