Wetzlar/Gießen. Früh am Morgen startet ein Kleinbus der Autobahnmeisterei Ehringshausen in Richtung Frankfurt. Erstes Ziel ist das Wetzlarer Kreuz. Während der gemeinsamen Fahrt wird die Strecke genau unter die Lupe genommen. Auffälligkeiten werden dokumentiert, aktuelle Regelwerke besprochen und mögliche Verbesserungen diskutiert. Das Ziel ist klar: Mängel erkennen und gemeinsam die beste Lösung finden.
Schon zwischen Ehringshausen und dem Wetzlarer Kreuz steht das erste Thema auf der Agenda. Ein Wildwechsel-Schild wird kritisch geprüft. Ist es noch erforderlich? Nach Auskunft der Autobahnpolizei gab es in diesem Bereich in den vergangenen drei Jahren nicht genügend Wildunfälle, um das Verkehrszeichen weiterhin zu rechtfertigen. Zudem schützt ein durchgehender Wildschutzzaun die Strecke. Das Ergebnis ist eindeutig: Das Schild kann entfernt werden.
„Unser Ziel bei der Verkehrsschau ist es, die Anzahl der Verkehrszeichen auf das notwendige Maß zu beschränken. Zu viele Schilder können die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmenden beeinträchtigen. Nach der Straßenverkehrsordnung sollen Verkehrszeichen daher nur dort aufgestellt werden, wo sie wirklich erforderlich sind“, erklärt Jacek Schmidtgal von der Straßenverkehrsbehörde der Autobahn Westfalen in Hamm. Auch auf der A480 in Fahrtrichtung Aßlar wird ein Verkehrszeichen überprüft. Dort gilt ein „Vorfahrt gewähren“-Schild als entbehrlich, da die Vorfahrtsregelung beim Einfädeln in den fließenden Verkehr bereits eindeutig durch die Straßenverkehrsordnung geregelt ist.
Von Spardosen und Marienkäfern
Die Verkehrsschau beschränkt sich aber nicht auf die Hauptfahrbahnen. Auch Anschlussstellen und Parkplätze werden kontrolliert. Am Parkplatz Lemper Berg fällt auf, dass auf einem Hinweisschild ausschließlich ein Pkw-Symbol dargestellt ist. Da der Parkplatz sowohl von Pkw als auch von Lkw genutzt werden darf, muss die Beschilderung angepasst werden. Außerdem fehlen dort eine „Spardose“ und ein „Marienkäfer“ – die Experten meinen die Verkehrszeichen „Einfahrt verboten“ (weißer Querstrich auf rotem Grund) und „beidseitig vorbei“ (rot-weiße Markierung auf weißem Grund, das auf ein festes Hindernis wie eine Fahrbahnteilung hinweist).
Auf dem nächsten Parkplatz entdecken die Fachleute ein weiteres Problem. Ein älteres Hinweisschild zeigt noch veraltete Symbole für Pkw, Busse und Lkw. Zudem ist die Reflexionsfähigkeit des Schildes inzwischen stark eingeschränkt. „Diese Symbole werden heute nicht mehr verwendet. Außerdem reflektiert das Schild bei Dunkelheit nicht mehr ausreichend. Deshalb muss es ersetzt werden“, erklärt Alena Husemann von der Straßenverkehrsbehörde in Hamm. Weiter geht die Fahrt in Richtung Gießen. In der Anschlussstelle Gießen-Lützellinden ist die Markierung am linken Fahrbahnrand verblasst und kaum mehr sichtbar. Hier muss schnellstens nachgebessert werden. Am Ende des Tages ist die Liste der festgestellten Mängel und Verbesserungsmöglichkeiten lang. In den kommenden Wochen werden die einzelnen Maßnahmen Schritt für Schritt umgesetzt. So wird sichergestellt, dass Verkehrsteilnehmende auch künftig sicher auf der A45 unterwegs sind.
Infobox:
In der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (StVo) sind regelmäßige Verkehrsschauen zur Überprüfung des Zustandes und der Sichtbarkeit von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen sowie zur Beseitigung möglicher Gefahren im öffentlichen Verkehrsraum vorgeschrieben. Zur Überprüfung der Ausstattung werden die StVo sowie einschlägige Regelwerke wie die Richtline zur Markierung von Straßen (RMS) oder die Richtlinie für die wegweisende Beschilderung auf Autobahnen (RWBA) herangezogen. Verkehrsschauen in der Niederlassung Westfalen finden alle zwei Jahre statt (im Wechsel tagsüber und nachts).