Oberhausen (Autobahn GmbH). Es wird die „Turbobrücke 2.0“: Nach dem erfolgreichen Einsatz eines innovativen Verfahrens zum Brückenbau mit extralangen Fertigteilen an der A516-Brücke über der Teutoburger Straße startet Mitte Juni die nächste Brückeninnovation in Oberhausen – nur zwei Kilometer nördlich. Am 15.6. beginnt die Autobahn GmbH mit dem Neubau der Autobahnbrücke über der Alsfeldstraße.
In Oberhausen-Sterkrade setzt die Autobahn GmbH erneut eine Weltneuheit im Brückenbau um. Erstmals kommt hier ein zukunftsweisendes Verfahren zum Einsatz, bei dem der komplette Brückenoberbau neben der bestehenden Brücke vorgefertigt wird – inklusive Fahrbahn und Schutzeinrichtungen. Anschließend werden die Module mit selbstfahrenden Schwertransportern präzise an ihren endgültigen Standort gebracht und von oben eingehoben. Diese technische Weltpremiere setzt Maßstäbe im modernen Brückenbau. Das Verfahren zielt darauf ab, deutlich schneller zu bauen und die Auswirkungen auf den Verkehr und Anwohnende so gering wie möglich zu halten.
Mehr Effizienz – weniger Verkehrsbeeinträchtigungen
Durch den Einsatz dieses innovativen Bauverfahrens reduziert sich die Bauzeit für die Brücke an der Alsfeldstraße erheblich: Statt rund 24 Monaten bei klassischer Bauweise werden hier nur sechs Monate für beide Fahrtrichtungen zusammen benötigt. Die neue Methode ermöglicht eine deutlich effizientere Organisation der Bauabläufe, was die Bauzeit spürbar verkürzt. Damit wird die A516-Brücke an der Alsfeldstraße noch schneller realisiert als das Brückenbauwerk an der Teutoburger Straße. Während dort bereits eine verkürzte Bauzeit von sieben Monaten pro Brückenhälfte erreicht wird, soll sie an der Alsfeldstraße weiter, auf nur sechs Monate, sinken. Gleichzeitig werden Einschränkungen für den Verkehr sowohl auf der Autobahn als auch unterhalb der Autobahnbrücke deutlich minimiert.
Das neue Verfahren mit dem Einhub von oben eignet sich insbesondere für kleinere Brücken mit Spannweiten von bis zu 20 Metern. Im Ruhrgebiet müssen zahlreiche dieser Brücken erneuert werden. Die A516-Brücke über der Alsfeldstraße ist 22,50 Meter lang.
Oberhausen als etablierter Standort für modernen Brückenbau
Mit der Umsetzung dieses Projekts etabliert die Autobahn GmbH den Standort Oberhausen weiter als Zentrum für innovative Bauverfahren im Bereich der Verkehrsinfrastruktur. Gerade in dicht bebauten urbanen Räumen bietet die Kombination aus einem hohen Grad an Vorfertigung, moderner Hebetechnik und optimierter Bauabwicklung erhebliche Vorteile.
Bereits bei dem vorangegangenen Projekt an der Teutoburger Straße wurde ein moderner Bauansatz erfolgreich umgesetzt. Durch die modulare Vorfertigung und anschließende Montage der Brückenelemente konnte die Bauzeit im Vergleich zur konventionellen Bauweise deutlich reduziert werden. Das Projekt fand überregional Beachtung und wird als zukunftsweisend für den Brückenbau in Deutschland eingeordnet. Mit der aktuellen Baumaßnahme an der Alsfeldstraße wird dieser Ansatz konsequent weiterentwickelt.
Die Bauphasen im Überblick
1: Herstellung der Unterbauten
Zunächst werden die erforderlichen Widerlager und Fundamente der neuen Brücke in beschleunigter Bauweise errichtet. Optimierte Abläufe ermöglichen eine zügige Umsetzung dieser vorbereitenden Arbeiten.
2: Vorfertigung des Überbaus in Nebenlage
Parallel dazu erfolgt die Herstellung des kompletten Brückenüberbaus – inklusive Fahrbahn und Schutzeinrichtungen – außerhalb des endgültigen Standorts im Bereich des Autobahnkreuzes Oberhausen (A2/A516). Diese Bauweise verbessert die Qualitätssicherung und reduziert witterungsbedingte Einflüsse auf den Bauablauf.
3: Schwerlasttransport zur Einbauposition
Im Anschluss wird der rund 900 Tonnen schwere vormontierte Überbau mithilfe selbstfahrender modularer Transportfahrzeuge zur Einbaustelle bewegt. Die eingesetzte Technik ermöglicht eine präzise und sichere Positionierung.
4: Errichtung einer temporären Hilfsbrücke
Innerhalb kurzer Zeit wird eine temporäre Hilfsbrücke über die Alsfeldstraße hergestellt. Sie dient als zentrale Arbeitsplattform für den anschließenden Einhub des Überbaus.
5: Einheben des Überbaus von oben (Weltpremiere)
Erstmals wird der Brückenüberbau nicht wie üblich von unten eingeschoben, sondern von oben in seine endgültige Lage gebracht. Hydraulische Hebesysteme übernehmen die Last von den Transportfahrzeugen und setzen die Konstruktion millimetergenau auf die vorbereiteten Widerlager ab.
6: Abschlussarbeiten und Inbetriebnahme
Nach Aktivierung der Lager kann die Brücke bereits kurze Zeit später für die abschließenden Arbeiten genutzt werden. Dies trägt maßgeblich zur weiteren Zeitersparnis im Bauablauf bei.
Tobias Fischer, Geschäftsbereichsleiter Bau und Erhaltung bei der Außenstelle Essen, Niederlassung Rheinland der Autobahn GmbH treibt den Fortschritt voran: „Mit dem zweiten Projekt an der Alsfeldstraße in Oberhausen zeigen wir, wie moderner Brückenbau heute funktioniert: modular, innovativ und deutlich schneller. Mit neuer Technik, drastisch verkürzten Bauzeiten und großem persönlichem Einsatz im Team heben wir die Autobahninfrastruktur in Deutschland auf ein neues Niveau. Wir wollen schnell bauen – und wir können es auch. Diese neue Generation des Brückenbaus verbessert unsere Infrastruktur grundlegend und bringt Deutschland spürbar voran.“
Die Autobahn GmbH des Bundes verfolgt das Ziel, Infrastrukturmaßnahmen schneller, effizienter und mit möglichst geringen Auswirkungen auf den Verkehr umzusetzen.