Arnsberg: Rauch, weniger als einen Meter Sichtweite, mehrere zum Teil lebensgefährlich verletzte Personen und eine unklare Brandursache: Diese Situation haben Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Montagabend (18.5.) im Tunnel Olpe auf der A46 vorgefunden. Dass es sich hier glücklicherweise um eine aufwendig angelegte Übung handelte, wurde den Rettern erst nach ihrer Ankunft und dem Prüfen der Lage klar.
Gegen 20:20 Uhr ging der Anruf bei der Leitzentrale ein: Auffahrunfall in Fahrtrichtung Hamm, zwei beteiligte Fahrzeuge, mindestens fünf beteiligte Personen, hieß es am Telefon. Nach nicht einmal acht Minuten trafen die ersten Einsatzkräfte im Tunnel ein. Eines der beiden verunfallten Autos lag auf der Seite, die Insassen des Kleinwagens waren teilweise eingeklemmt. Insgesamt zwei schwerstverletzte und drei jeweils schwer und leicht verletzte Unfallopfer galt es zu retten. Vor Ort im Einsatz waren dafür seitens der Feuerwehren aus Meschede und Arnsberg die Löschzüge Freienohl und Oeventrop sowie die Löschgruppe Olpe.
Neben den Einsatzabläufen der Rettenden ging auch darum, die neue technische Ausstattung im Tunnel unter möglichst realen Bedingungen zu testen: Die Autobahn Westfalen hat die Betriebstechnik in den A46-Tunneln Olpe und Hemberg in Arnsberg umfassend modernisiert. Nicht nur die Beleuchtung wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht – darüber hinaus wurden Kameras installiert, die Verkehrstechnik und der Brandschutz erneuert, sowie die wegweisende Beleuchtung der Fluchtwege und die Einsprache durch neue Lautsprecher verbessert. „Heute ging es vor allem um das Zusammenspiel der Einsatzkräfte mit der Tunnelleitzentrale und darum, sich mit der neuen technischen Ausstattung vertraut zu machen“, erklärt Arsala Amin-Arsalla (Team Verkehrstechnik der Autobahn Westfalen).
Dieses Ziel wurde erreicht: Nachdem sich die Einsatzleitung der Feuerwehr schnell einen Überblick verschafft hatte, wurden das Löschen des vermeintlichen Brandes und die Rettung der verunglückten Personen veranlasst, die außerhalb des Tunnels medizinisch versorgt werden konnten. Das Üben von Rettungen unter diesen besonderen Voraussetzungen ist wichtig, hier muss im Ernstfall jeder Handgriff sitzen. „Einsätze im Tunnel unterscheiden sich stark vom Handeln im Freien, deshalb sind sie komplexer und gefährlicher. Tunnel sind schwer zugänglich und ein solcher Einsatz birgt wegen der kaum vorhandenen Sicht und der großen Hitze besondere Risiken, die nur durch regelmäßiges Training sicher beherrscht werden können“, so Niklas Göckeler (Leiter des Löschzuges Freienohl).
Unerlässlich für die Übung war das Engagement der Notfalldarstellerinnen und -darsteller des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Arnsberg und Hamm. Um ein möglichst realistisches Bild zu erzeugen, waren sie zum Schminken schon bereits etwa zweieinhalb Stunden vor der Alarmierung vor Ort gewesen. Insgesamt waren an der Übung ca. 60 Einsatzkräfte der Feuerwehr und des DRK mit unter anderem acht Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr und drei Rettungswagen beteiligt. „Übungen dieser Größenordnung führen wir alle vier Jahre in den Tunneln durch. Es ist wichtig, dass wir die Abläufe und auch die Systeme dort regelmäßig testen, weil die größtmögliche Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten“, sagt Jörg Babel (Tunnelleitzentrale der Autobahn Westfalen). Darüber hinaus gebe es einmal im Jahr Kommunikationsübungen mit der Tunnelleitzentrale und den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr.
Und deren Beobachter vor Ort zeigten sich zufrieden mit dem Einsatz: Die Alarmierung und die Koordination zwischen Einsatzleitstelle, Rettungsleitstelle und Tunnelleitzentrale habe gut funktioniert.