Rund 70 Prozent der deutschen Autobahnen bestehen aus Asphalt, der Rest aus Beton. Beide Materialien reagieren unterschiedlich auf Hitze – und können in Extremfällen beschädigt werden, was zu Unfällen führen kann. Die sogenannten Blow-ups treten überwiegend bei älteren, stark beanspruchten und vorgeschädigten Betonfahrbahnen auf. Sind Betonfahrbahnen nach dem aktuellen Stand der Technik gebaut, sind Hitzeschäden und Blow-ups unwahrscheinlich. Bei Asphaltfahrbahnen ist das Problem das Bindemittel Bitumen. Wird es durch extrem hohe Temperaturen zu stark erhitzt wird, kann es aufweichen. Unter Verkehr entstehen Spurrinnen, Verdrückungen und Ablösungen.
Die Meistereien der Autobahn GmbH sind sich der besonderen Belastung bei hohen Temperaturen bewusst. An heißen Tagen kontrollieren sie die Strecken verstärkt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Treten Schäden auf werden sofort Maßnahmen umgesetzt:
- Fahrstreifen werden reduziert und die Geschwindigkeit wird begrenzt
- Bei Bedarf wird der betroffene Abschnitt komplett gesperrt.
- Bei Blow-ups wird der schadhafte Beton ausgebaut und durch Asphalt ersetzt.
Zudem wurden in diesem Jahr vorsorglich auf einigen älteren Abschnitten der A7, A92 und A93 Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt. Dort gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h für Autos und 80 km/h für Motorräder. Insbesondere Motorradfahrende sind durch plötzlich auftretende Blow-ups besonders gefährdet.
Für alle Nutzenden der Autobahn gilt: Bei hohen Temperaturen bitte besonders aufmerksam fahren und die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung unbedingt einhalten. Wer Schäden an der Fahrbahn bemerkt, sollte diese umgehend der Polizei melden.
Seit 20. Juni 2026 gemeldete Hitzeschäden (Liste wird fortlaufend aktualisiert)
Aufgehobene Vollsperrungen:
- A1 zwischen Kreuz Wittllich und Wittlich-Mitte in Fahrtrichtung Köln/Koblenz
- A115 zwischen Potsdam-Drewitz und Saarmund in Fahrtrichtung Dreieck Nuthetal
- A14 zwischen Kreuz Magdeburg und Dahlenwarsleben in Fahrtrichtung Schwerin
- A2 zwischen Burg-Zentrum und Burg-Ost in Fahrtrichtung Hannover
- A2 zwischen Ziesar und Wollin in Fahrtrichtung Berliner Ring
- A2 zwischen Theeßen und Ziesar in Fahrtrichtung Berliner Ring
- A2 zwischen Irxleben und Kreuz Magdeburg in Fahrtrichtung Berliner Ring
Weitere gemeldete Hitzeschäden:
- A1 zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe in Fahrtrichtung Lübeck
- A1 zwischen Manderscheid und Eifel-West in Fahrtrichtung Trier
- A10 zwischen Berlin-Marzahn und Berlin-Hohenschönhausen in Fahrtrichtung Dreieck Barnim
- A10 zwischen Seeberg-Ost (Raststätte) und Berlin-Hellersdorf in Fahrtrichtung Dreieck Spreeau
- A10 zwischen Potsdam-Nord und Berlin-Spandau in Fahrtrichtung Dreieck Havelland
- A11 zwischen Penkun und Bundesgrenze Pomellen (PL-D) in Fahrtrichtung Stettin (Beseitigung von Hitzeschäden an der Betonfahrbahn am 1. 7.)
- A13 zwischen Rastanlage Berstetal und Freiwalde in Fahrtrichtung Schönefelder Kreuz (Schaden behoben)
- A13 zwischen Staakow und Am Bugkgraben in Fahrtrichtung Dresden
- A13 zwischen Freiwalde und Duben in Fahrtrichtung Dresden
- A15 zwischen Vetschau und Cottbus-West in Fahrtrichtung Cottbus (Schaden behoben)
- A15 zwischen Roggosen und Forst in Fahrtrichtung Breslau (Verkehr wird über den Standstreifen geleitet)
- A2 zwischen Lehrte und Lehrte-Ost in Fahrtrichtung Braunschweig (Asphaltschaden behoben)
- A29 zwischen AK Oldenburg-Nord und Oldenburg-Ohmstede in Fahrtrichtung Osnabrück (Schaden behoben)
- A29 zwischen Varel-Bockhorn und Varel-Obenstrohe in Fahrtrichtung Osnabrück/Oldenburg (mit Asphalt instandgesetzt, Freigabe mit Tempolimit 80km/h)
- A3 zwischen Manzing (Rastplatz) und Hengersberg in Fahrtrichtung Nürnberg (Hitzeschäden im Baustellenbereich, Schaden behoben)
- A3 zwischen Idstein und Theißtal (Rastplatz) in Fahrtrichtung Köln (Schaden behoben)
- A4 zwischen Untereschbach und Overath in Fahrtrichtung Olpe:
Durch die starke Erwärmung der Oberfläche ist die Fugenmasse aufgeweicht und hat sich ausgedehnt. Bereits vorhandene oberflächennahe Bitumenanreicherungen wurden aufgrund der hohen Klebeeigenschaft teilweise herausgefahren. Dadurch haben sich kleinere Schadstellen gebildet, die beschildert und abgesichert wurden. - A44 Spurrillenentfernung auf der Bergshäuser Brücke
- A45 zwischen Ehringshausen und Wetzlarer-Kreuz in Fahrtrichtung Frankfurt (Asphaltschaden behoben)
- A485 zwischen Schiffenberger Tal und Bergwerkswald in Fahrtrichtung Butzbach (Asphaltschaden behoben)
- A6 zwischen AK Mannheim und Mannheim/Schwetzingen in Fahrtrichtung Heilbronn (Schaden behoben)
- A66 zwischen Wiesbaden-Biebrich und Wiesbaden-Frauenstein in Fahrtrichtung Wiesbaden
- A67 zwischen Büttelborn und Griesheimer Dreieck in Fahrtrichtung Viernheim
- A7 zwischen Dreieck Hannover-Süd und An der Alpe (Parkplatz) in Fahrtrichtung Kassel (Schaden behoben)
- A7 zwischen Bad Fallingbostel und Dorfmark in Fahrtrichtung Hamburg (Schaden behoben, Freigabe aller Fahrstreifen seit 29.6.)
- A7 Höhe Marmstorf in Fahrtrichtung Nord (Asphaltschäden; Naht in der Fahrspur löst sich)
- A7 zwischen Bad Brückenau/Wildflecken und Rehhecke (Parkplatz) in Fahrtrichtung Fulda (Asphaltschaden behoben)
- A93 zwischen Weiden-Süd und Luhe-Wildenau in Fahrtrichtung Regensburg (Schaden behoben)
- A93 zwischen Siegenburg und Elsendorf in Fahrtrichtung Holledau (Parkplatz Deutschmeister gesperrt; Blow-up auf Beschleunigungsstreifen)
Aktuelle Verkehrsmeldungen zu möglichen Sperrungen finden Sie hier:
Maßnahmen der Autobahn GmbH gegen Hitzeschäden:
- Einsatz von Temperaturmessfühler: Damit kann die Entwicklung der Temperaturverläufe im gebundenen Fahrbahnoberbau beobachtet werden.
- Anordnung temporärer Geschwindigkeitsbeschränkungen: Diese kommen zum Einsatz, wenn hohe Temperaturen die Fahrbahn besonders belasten.
- Umsetzung von Neu- und Ausbaumaßnahmen nach aktuellem Stand der Technik: Zwingend erforderlich ist die turnusgemäße Erhaltung der Autobahnfahrbahnen. Mit den aktuell verwendeten Bauweisen können die meisten der hitzebedingen Schäden vermieden werden. Besonders gefährdete Abschnitte werden von der Autobahn GmbH bevorzugt erneuert.
- Forschung: Die Autobahn GmbH ist mit der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) im Austausch, um neue Erkenntnisse über die Hitzebeständigkeit der verwendeten Baumaterialien zu gewinnen.
Hintergrund:
Wie verhalten sich Betonfahrbahnen bei Hitze?
Beton dehnt sich bei Wärme aus, ist jedoch weniger verformbar als Asphalt. Deshalb kann es vor allem bei älteren Fahrbahnen zu Aufwölbungen – den sogenannten Blow-ups – kommen. Ab etwa 30 Grad Celsius steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Schäden. Vor allem ältere, hoch belastete und vorgeschädigte Betonfahrbahnen mit geringer Schichtdicke sind betroffen. Aufgrund der begrenzten Substanz können auftretende Spannungen innerhalb des Betonkörpers dort nur eingeschränkt aufgenommen und ausgeglichen werden. Wenn sich der Beton nicht mehr in Längsrichtung ausdehnen kann, entlädt sich die Spannung nach oben. Betonfahrbahndecken neuerer Generation werden hingegen in größeren Schichtdicken ausgeführt, so dass diese Schadensmechanismen nicht mehr auftreten.
„Auch wenn Blow-Ups nur selten entstehen, müssen diese umgehend ausgebessert werden, da sie eine Gefährdung für die Verkehrsteilnehmenden darstellen. Die Reparatur erfolgt in der Regel durch das Abtragen des Betons und die Auffüllung der betroffenen Stelle mit Asphalt“, erklärt Prof. Dr. Christian Lippold, Geschäftsbereichsleiter Planung, Bau, Innovation der Autobahn GmbH.
Vor einer grundhaften Erneuerung helfen zunächst sogenannte Entlastungsschnitte – quer eingebrachte, mit Asphalt gefüllte Streifen, die über den gesamten Querschnitt verlaufen – gegen Blow-ups.
Wie verhalten sich Asphaltfahrbahnen bei Hitze?
Asphalt kann sich bei extremer Hitze auf über 60 Grad Celsius aufheizen. Dadurch besteht das Risiko, dass er seine Tragfähigkeit verliert. „Andauernde Sonneneinstrahlung kann den Asphalt so weit erhitzen, dass es zu Verformungen oder zur Bildung von Spurrinnen kommt. Der Grund dafür liegt im Bitumen – ein aus Erdöl gewonnenes Bindemittel im Asphalt. Es ist elastisch und kann bei hoher Hitze erweicht werden“, erklärt Prof. Lippold.
Durch die Temperaturabhängigkeit des Bitumens können sich bei extremen Temperaturen und hoher Belastung Spurrinnen bilden. In seltenen Fällen führen diese zu Griffigkeitsverlusten und bei Regen erhöhen sie das Aquaplaningrisiko. Beim Autobahnbau in Deutschland werden jedoch sehr widerstandsfähige Asphaltkonzepte eingesetzt, sodass das Risiko insgesamt gering ist. Ab einem gewissen Alter gelten Spurrinnen als normale Verschleißerscheinung.